132  l,.ehrgebiet  und  l.ehrbetrieb.

bekannt  sein.  Das  Studium  der  topographischen  Anatomie,
das  seinem  ganzen  \Vesen  nach  mehr  mit  den  praktischklinischen
  Fächern  zusammenhängt  und  dem  daher  von  den  Studierenden
  ein  größeres  Verständnis  und  Interesse  entgegengebracht
wird,  wenn  sie  sich  bereits  mit  klinischen  Studien  beschäftigen,  ist
aus  diesen  Gründen  in  die  zweite  Studienperiode  nach  der
ärztlichen  Vorprüfung  verlegt.  Was  den  Lehrbetrieb  in  den  anatomischen
  Instituten  angeht,  so  ergibt  sich  dieser  aus  den  Anforderungen,
  die  im  Examen  an  die  Studierenden  gestellt  werden,
von  selbst.  Er  gliedert  sich  in  Vorlesungen  und  praktische  Übungen.
Die  Vorlesungen  umfassen  das  gesamte  Gebiet  der  deskriptiven
Anatomi2,  wobei  jeder  einzelne  Punkt  des  Vortrags  an  frischen  oder
an  konservierten  Präparaten  und  Modellen  demonstriert  wird.  Die
hauptsächlichste  anatomische  Tätigkeit  des  Studierenden  findet  indessen
  im  Präpariersaal  statt.  Jeder  Studierende  hat  dortselbst
von  den  gesamten  Körpergegenden  cin  Muskel-,  Gefüß-  und
Nervenpräparat  herzustellen.  Sowohl  während  der  Anfertigung  des
Präparates,  die  unter  der  Leitung  des  Direktors  sowie  der  Prosektoren
bezw.  Assistenten  erfolgt,  als  insbesondere  bei  der  Abgabe  des  fertirren
  Präparates  wird  der  Studierende  auf  den  Zusammenhang  und
die  anatomische  Tage  der  einzelnen  Teile  aufmerksam  gemacht,  un
ihn  so  eine  genaue  Kenntnis  des  anatomischen  Baues  des  menschlichen
Organismus  sich  aneignen  zu  lassen.  Das  gleiche  l.ehrverfahren  wird
im  allgemeinen  bei  den  mikroskopisch-histologischen  Kursen
beibehalten,  in  denen  die  Studierenden  vor  allem  die  Technik
der  Anfertigung  mikroskopischer  Präparate  und  die  Kenntnis  des
Baues  der  normalen  menschlichen  Gewebe  zu  erlernen  haben.  In
den  neueren  anatomischen  Instituten  stehen  den  Studierenden
fernerhin  noch  Repetitionssäle  zur  Verfügung,  in  denen  konservierte
  Präparate  und  Modelle  der  gesamten  Körpergegenden  und
Organe  vorhanden  sind,  um  das  Gehörte  und  Gesehene  von  Zeit
zu  Zeit  wieder  an  der  Hand  der  Präparate  wiederholen  zu  können.  Es
wird  demnach  bei  der  Ausbildung  des  deutschen  Arztes  von  Anbeginn
an  auf  das  Studium  der  Anatomie  als  auf  die  Grundlage  jedes  ärztlichen
  Wissens  und  Könnens  der  allergrößte  Nachdruck  gelegt,  und
seitens  der  Unterrichtsverwaltung  wird  dies,  insofern  die  bestehenden
anatomischen  Institute  zur  Erfüllung  dieser  Aufgabe  nicht  mehr  ausreichen,
  durch  die  Errichtung  neuer  anatomischer  Institute  beziehungsweise
  durch  die  Erweiterung  der  bestehenden  in  jeder  Hinsicht  gefördert.

Neben  der  Anatomie  hat  sich  der  Studierende  während  der