Die  meelizinische  Fakultät.  133

ersten  Periode  seines  medizinischen  Studiums  von  eigentlich  medizinischen
  Fächern  eingehend  mit  der  Physiologie  zu  beschäftigen.
uch  betrefls  dieser  Wissenschaft  sind  durch  die  ncue  Prüfungsordnung
  von  1901  die  Anforderungen  bedeutend  erhöht  worden.
Während  sich  früher  das  Studium  der  Physiologie  im  allgemeinen
nur  auf  das  Hören  der  physiologischen  Vorlesungen  beschränkte,
muß  sich  der  Studierende  jetzt  während  cines  Semesters  an  einem
physiologischen  Praktikum  beteiligen  und  mit  der  physiologischen
  Cheniie  vertraut  machen.  Der  Unterricht  in  der  Physiologie
gliedert  sich  dementsprechend  in  die  Vorlesungen  über  die  gesamte
physikalische  und  chemische  Physiologie,  die  durch  zahlreiche  Experimente
  und  Demonstrationen  dem  Verständnis  der  Studierenden
näher  gebracht  werden,  sowie  in  praktisches  Arbeiten  in  einem  physiologischen
  Kurs.  In  diesem  letzteren  sollen  die  Teilnehmer  durch
eigenes  Arbeiten  und  Schen  sich  ein  physiologisches  Denken  erwerben.
Daneben  sollen  sie  sich  daran  gewöhnen,  die  für  den  praktischen
Arzt  wichtigen  physiologischen  Apparate,  Sphygmographen  und  andere
eraphisch  arbeitende  Präzisions  -  Instrumente  zu  handhaben,  feine
Messungen  und  Ablesungen  vorzunehmen,  kurz,  das  Arbeiten  mit
subtilen  und  komplizierten  Apparaten  zu  beherrschen  und  sich  dabei
auch  durch  geeignete  Tierexperimente  von  der  funktionellen  Tätigkeit
des  lebenden  Organismus  ein  Bild  zu  entwerfen.

In  den  allgemein  naturwissenschaftlichen,  für  den  Mediziner
  wichtigen  Fächern  sind  die  Anforderungen  in  der  Chemie
regen  früher  nicht  unbeträchtlich  erhöht  worden.  Während  sich
bisher  auch  in  der  Chemie  das  Studium  nur  auf  das  Hören  von
Vorlesungen,  die  für  die  eigentlichen  Chemiker  und  Mediziner  die
gleichen  waren,  beschränkte,  ist  heute  für  die  Zulassung  zur  ärztlichen
Vorprüfung  der  Nachweis  zu  liefern,  dafs  der  Studierende  ein  Halbjahr
  lang  an  einem  praktisch-chemischen  Kurse  selbständig
arbeitend  teilgenommen  hat.  Diese  Forderung,  die  sowohl  seitens
der  Fakultäten  wie  seitens  der  Ärzteschaft  erhoben  wurde,  ist  un  so
mehr  berechtigt,  als  die  Chemie  von  Jahr  zu  Jahr  für  das  Verständnis
wichtigster  Vorgänge  im  erkrankten  Organismus  und  damit  für  den
praktischen  Arzt  an  Wichtigkeit  gewinnt.  Die  praktischen  Kurse  in
der  Chemie  sollen  also  vor  allem  das  tiefere  Eindringen  in  die  chemischen
  Vorgänge  des  Organismus  ermöglichen,  was  durch  den
bloßen  Besuch  der  theoretischen  Vorlesungen  über  anorganische  und
organische  Chemie  ohne  selbständiges  Arbeiten  im  Laboratorium  nicht
ınöglich  ist.  Allerdings  müssen  diese  praktisch-chemischen  Kurse  für