134  Lehrgebiet  und  Lehrbetrieb.

Mediziner  auch  ganz  besonders  dem  Bedürfnisse  des  Arztes  Rechnung
tragen  und  sich  daher  von  den  Kursen  für  Chemiker  durchaus  unterscheiden.
  Dies  ist  dadurch  gewährleistet,  daß  von  nun  an  der  chemische
  Unterricht  für  Chemiker  und  Mediziner,  wenigstens  soweit  cr
das  praktische  Arbeiten  betrifft,  nicht  mehr  gemeinschaftlich  ist,
sondern  daß  für  die  letzteren  eigene  Kurse  abgehalten  werden,  in
denen  vor  allem,  neben  der  organischen  Chemie  als  Grundlage,  die
physiologische  Chemie  praktisch  bearbeitet  wird.

Das  Studium  der  Physik,  die  gleichfalls  für  die  ärztliche  Vorprüfung
  einen  obligatorischen  Prüfungsabschnitt  bildet,  beschränkt
sich  dagegen  auf  das  bloße  Hören  von  Vorlesungen  aus  der  gesaniten
E.xperimentalphysik.

Auch  aus  den  Gebieten  der  Zoologie  und  Botanik,  über
deren  Studium  sich  der  Mediziner  bei  der  ärztlichen  Vorprüfung  auszuweisen
  hat,  beschränken  sich  die  Anforderungen  auf  das  für  den
Arzt  besonders  Wichtige.  Dies  sind  in  der  Zoologie  vor  allem
vergleichende  Anatomie  und  Physiologie,  in  der  Botanik  die  Grundzuge
  der  Anatomie  und  Physiologie  der  Pflanzen  sowie  cin  allgemeiner
  Überblick  über  das  Pflanzenreich,  namentlich  mit  Rücksicht  auf
die  medizinisch  wichtigen  Pflanzen.  Dieses  Ziel  wird  durch  das  Hören
der  betreffenden  Vorlesungen  erreicht.  Die  Teilnahme  an  praktischen
Kursen  in  den  drei  zuletzt  genannten  naturwissenschaftlichen  Fächern
wird  nicht  gefordert.

Das  wissenschaftliche  Gebiet,  welches  die  Studierenden  der  Medizin
  an  deutschen  Hochschulen  während  der  ersten  Studienperiode
bis  zur  Äblegung  der  ärztlichen  Vorprüfung  zu  bewältigen  haben,
ist  demnach  ein  recht  großes,  sodaß  5  Halbjahre  Studiums  für  diesen
Zweck  nicht  zu  hoch  gegriffen  sind.  Von  dem  gewiß  unanfechtbaren
Grundsatz  ausgehend,  daß  gerade  diese  Lernepoche  für  die  allgemein
  naturwissenschaftliche  Grundlage  des  Arztes  maßgebend  ist,
wird  auf  sie  der  größte  Nachdruck  gelegt.  Um  dem  jungen  Studierenden,
  der  die  Universität  bezicht,  cine  richtige  Einteilung  seiner
Zeit  für  den  zu  bewältigenden  Stoff  zu  ermöglichen,  ist  seitens
der  meisten  Fakultäten  die  Einrichtung  getroffen,  daß  cin  von  der
Fakultät  aufgestellter  Studienplan  überreicht  wird.  Derselbe  enthält  die
Angaben  darüber,  in  welcher  Reihenfolge  der  Student  die  Vorlesungen
und  praktischen  Übungen  am  vorteilhaftesten  belegt.  Als  Beispiel
eines  solchen  Planes  sei  der  von  der  Berliner  medizinischen  Fakultät
ausgearbeitete  Studienplan  hier  beigefügt.  Die  in  den  oberen  Reihen
stehenden  Vorlesungen  und  Kurse  sind  diejenigen,  an  welchen