Die  medizinische  Fakultät.  137

vorgeschrieben,  daß  der  Studierende  während  seiner  Studienzeit  1.  je
zweiHalbjahre  hindurch  an  der  medizinischen,  chirurgischen  und  geburtshilflichen
  Klinik  als  Praktikant  regelmäßig  teilgenommen,  vierKreißende
in  Gegenwart  des  L.ehrers  oder  der  Assistenten  selbständig  entbunden
hat;  2.  je  1/,Jahr  die  Klinik  für  Augenkrankheiten,  die  medizinische  Poliklinik,
  die  Kinderklinik  oder  -Poliklinik,  die  psychiatrische  Klinik  sowie
die  Spezialkliniken  oder  Polikliniken  für  Hals-  und  Nasen-,  für  Ohren-,
für  Haut-  und  syphilitische  Krankheiten  regelmäßig  besucht  und  am
praktischen  Unterricht  in  der  Impftechnik  teilgenommen  und  die  zur
Ausübung  der  Impfung  erforderlichen  technischen  Fähigkeiten  und
Kenntnisse  über  Gewinnung  und  Erhaltung  der  Lymphe  erworben;
3.  je  eine  Vorlesung  über  topographische  Anatomie,  Pharmakologie
und  gerichtliche  Medizin  gehört  hat.

Das  eigentlich  klinische  Studiun  beginnt  beim  deutschen
Studierenden  der  Medizin  allgemein  mit  dem  Unterricht  in  der  allecmeinen
  Pathologie  und  pathologischen  Anatomie.  Diese
Disziplin  bildet  den  Übergang  von  den  theoretischen  und  naturwissenschaftlichen
  zu  den  praktischen  Fächern.  Analog  wie  die
Kenntnis  der  normalen  Anatomie  die  Grundlage  bilden  muß,  um  die
l.cbenstätigkeit  des  Organismus  bei  normalem  Zustande  der  Zellen
zu  verstehen,  so  muß  ein  genaues  Eindringen  in  die  pathologische
‚Anatomie  den.  Arzt  befähigen,  sich  jederzeit  über  das  Leben  bei
krankhaft  veränderten  Zellen  Rechenschaft  zu  geben,  entsprechend
der  Virchow’schen  Defnition,  daß  Krankheit  nichts  anderes  ist  als
ein  L.ebensprozeß  bei  pathologisch  veränderten  Zellen.  Dieses  Ziel
wird  an  den  deutschen  Universitäten  erreicht  durch  Vorlesungen  und
praktische  Kurse  aus  dem  Gebiete  der  allgemeinen  Pathologie  und
speziellen  pathologischen  Anatomie.  In  den  Vorlesungen  wird
jeder  einzelne  Punkt,  den  der  Vortragende  erörtert,  durch
Demonstration  zahlreicher  frischer  und  konservierter  pathologischer
Präparate  belegt,  weiterhin  werden  die  dabei  in  Frage  kommenden
feineren  Veränderungen  der  Gewebe  teils  durch  mikroskopische
Präparate,  teils  durch  Demonstration  von  Mikrophotogrammen  mittels
Projektionsapparate  erläutert.  Zu  diesem  Behufe  besitzt  jedes  pathologische
  Universitätsinstitut  cine  größere  Sammlung  makroskopischer
und  mikroskopischer  Präparate  und  ist  mit  den  nötigen  Demonstrationsmitteln,
  Vorlesungsmikroskopen,  Skioptikon,  zum  Teil  auch
mit  Epidiaskop,  das  die  Projektion  undurchsichtiger  Gegenstände  gestattet,
  ausgerüstet.

Die  praktischen  Kurse  in  der  pathologischen  Anatomie  be-