140  Lehrgebiet  und  Lehrbetrieb.

der  Obduktion  beiwohnen,  woran  sich  seitens  des  Klinikers  nach
Feststellung  der  pathologisch-anatomischen  Diagnose  cine  epikritische
Besprechung  des  Falles  anschließt.  An  anderen  Universitäten  beschränkt
  sich  dies  nur  auf  die  Mitteilung  der  pathologisch-anatomischen
Diagnose  und  die  darauf  folgende  klinische  Epikrise.  Um  den  Studierenden
  fortlaufend  Gelegenheit  zu  geben,  sich  von  dem  Verlauf  der
Krankheit  der  vorgestellten  Patienten  zu  überzeugen  und  nicht  nur  allein
die  in  der  klinischen  Vorlesung  besprochenen,  sondern  alle  übrigen
in  der  Klinik  vorhandenen  Kranken  zu  sehen,  ist  die  Einrichtung
getroffen,  daß  mindestens  einmal  wöchentlich  unter  der  l.eitung  des
Professors  klinische  Visite  auf  den  Krankensälen  gemacht  wird.  Im
übrigen  steht  es  auch  sonst  den  Studierenden,  die  den  Wunsch  aussprechen,
  jederzeit  frei,  an  der  klinischen  Visite  der  Assistenten  auf
den  Krankensälen  teilzunehmen.  Auch  in  den  Kursen,  Auskultationsund
  Perkussionskurs,  klinisch-diagnostischen  Kursen,  Kursen
der  klinisch  -  bakteriologischen  und  klinisch  -  chemischen
Untersuchungsmethoden  wird  den  Studierenden  möglichst  reichlich
  Gelegenheit  gegeben,  an  Kranken  die  ärztlichen  Untersuchungsmethoden
  kennen  zu  lernen.  Besonders  cingehend  wird  ferner  in
der  Klinik  die  Therapie  behandelt  und  zwar  in  ihrem  vollständigen
Umfange.  Neben  der  eigentlich  medikamentösen  Therapie  wird  cin
großer  Wert  darauf  gelegt,  den  zukünftigen  Arzt  auch  mit  den  Methoden
  der  allgemein  physikalischen  und  diätetischen  Therapie
vertraut  zu  machen.  Dahin  gehören  die  Massage,  die  Hydrotherapie,
  die  Übungstherapie,  Mechanotherapie,  Elcktrotherapie,
  Lichttherapie  usw.  Gerade  diese  Seite  der  Therapie,
die  unzweifelhaft  in  vielen  Fällen  vorzügliche  Heilresultate  aufzuweisen
  hat,  wurde  früher  von  den  Medizinern  etwas  vernachlässigt,
und  dies  mag  zum  Teil  der  Grund  dafür  sein,  daß  sich  vornchnılich
  dieser  therapeutischen  Zweige  dic  kurierenden  Nichtärzte,  d.  h.
die  Kurpfuscher,  angenommen  haben.  Mit  Recht  sahen  daher
sowohl  Behörden  wie  Ärzteschaft  als  eines  der  wirksamsten  Mittel,
un  den  Kurpfuschertum  zu  begegnen,  die  möglichst  gründliche
Ausbildung  der  Ärzte  in  diesen  therapeutischen  Methoden  an.  Dem
entspricht  auch  die  Forderung  der  ärztlichen  Staatsprüfung,  welche
besonderen  Nachdruck  auf  die  Kenntnis  dieser  Heilmethoden  legt.
An  den  größeren  Universitäten  bestehen  zur  praktischen  Erlernung
derselben  eigene  Anstalten,  so  in  Berlin  die  Universitätsanstalt  für
Hiydrotherapie,  diejenige  für  Massage  und  für  Mechanotherapie.
Ybenso  wird  die  im  letzten  Jahrzehnt  mächtig  aufgeblühte  und  für