142  Lehrgebiet  und  I.chrbetrieb.

Nachweis  verlangt,  daß  der  Studierende  noch  ein  Halbjahr  lang  als
Praktikant  speziell  an  einer  Kinderklinik  oder  -Poliklinik  teilgenommen
  hat.  Diese  Forderung  erscheint  um  so  gerechtfertigter,
als  die  Erfahrung  immer  mehr  zeigt,  daß  die  Untersuchung  und  Behandlung
  erkrankter  Kinder  in  so  wichtigen  Punkten  von  den  bei
Erwachsenen  obwaltenden  Verhältnissen  abweicht,  daß  eine  besonders
gründliche  Ausbildung  in  der  Pädiatrie  für  jeden  Arzt  unerläßlich  ist.

Die  Wichtigkeit  der  Pharmakologie  und  Toxikologie  verlangt
es,  daß  der  Arzt  auch  diese  Disziplin  eingehend  beherrscht.  Demzufolge
  wird  von  dem  Studierenden  der  Medizin  gefordert,  daß  er
den  Besuch  dieser  Vorlesung  nachweist.  In  ihr  wird  die  Wirkung
der  praktisch  wichtigen  Arzneimittel  und  Gifte  im  Tier-Experiment
vorgeführt,  das  Zustandekommen  dieser  Wirkung  physiologisch  erklärt,
die  Reinheitsprüfung  der  Arzneimittel  und  der  Nachweis  von  Giften
erörtert.  Hand  in  Hand  damit  gehen  Übungen  in  der  Rezeptierkunde,
im  kunstgerechten  Zusammenstellen  verschiedener  Arzneidrogen  und
der  Anwendung  der  Antidote  bei  Vergiftungen.

Das  zweite  Hauptfach  während  der  praktischen  Studienperiode
bildet  die  Chirurgie.  Auch  der  Studienbetrieb  dieser  Disziplin  ist
im  großen  und  ganzen  wie  derjenige  der  inneren  Medizin  gegliedert,
d.h.  er  zerfällt  in  den  Besuch  der  chirurgischen  Klinik  bezw.  Poliklinik
und  in  die  Teilnahme  an  praktischen  Kursen.  Der  Mittelpunkt  des
gesamten  chirurgischen  Studiums  ist  die  chirurgische  Klinik.
Der  Lehrbetrieb  in  ihr  ist  derart,  daß  vor  den  Augen  der  Studierenden
die  Diagnose  und  die  Indikation  zur  Operation  gestellt  und  diese
letztere  sodann  vorgenommen  wird,  wobei  ebenfalls,  wie  in  der
medizinischen  Klinik,  ein  Studierender  als  Praktikant  aufgerufen  wird.
Vor  der  Operation  und,  soweit  es  angängig  ist,  während  sowie  nach
Beendigung  derselben  erörtert  der  Operateur  vor  dem  Auditorium
die  Einzelheiten  des  Krankheitsfalles  sowie  insbesondere  die  einzelnen
Phasen  der  Operation  mit  Berücksichtigung  der  topographischanatomischen
  Verhältnisse.  Die  Schwierigkeit,  die  gerade  beinı
Unterricht  in  der  Chirurgie  darin  besteht,  einem  größeren  Kreise  von
Zuschauern  die  jedesmaligen  Stadien  der  Operation  sichtbar  zu  machen,
wird  teils  durch  die  Benützung  von  Operationsmoulagen,  welche  in
ihrer  Aufeinanderfolge  den  Gang  einer  bestinnmten  Operation  genau
wiedergeben,  teils  dadurch  umgangen,  dafs  abwechselnd  eir.e  Anzahl
von  Studierenden  an  den  Öperationstisch  herantreten.  Von  der
Benutzung  kinematographischer  Aufnahmen  wird  an  jeutschen
Universitäten  wenig  Gebrauch  gemacht.  Die  gesamte  Vorbereitung