Die  medizinische  Fakultät.  143

sowohl  des  Kranken  wie  der  Ärzte  zur  Operation,  also  das  Waschen
und  Desinfizieren,  wird  vor  den  Augen  der  Studierenden  vorgenomnien,
um  diese  so  in  die  Grundlage  jeder  chirurgischen  Tätigkeit,  in  die
Asepsis  und  Äntisepsis,  einzuführen.  Auch  die  gesanıte  Einrichtung  der
klinischen  Operationssäle  ist  nach  den  Grundsätzen  der  Aseptik
getroffen.

Neben  dem  Besuche  der  chirurgischen  Klinik  dienen,  wie  schon
erwähnt,  praktische  Kurse  zur  chirurgischen  Ausbildung.  Der
wichtigste  von  diesen  ist  der  Operationskurs  an  der  Leiche.  In
ihm  führen  die  Studierenden  unter  der  Leitung  des  Professors  der
Chirurgie  sämtliche  typischen  und  klassischen  Operationen  aus.
Außerden  finden  Kurse  der  chirurgischen  Diagnostik  und
Therapie,  Verbandkurse,  Kurse  in  orthopädischer  Technik
statt.

Das  dritte  klinische  Hauptfach  umfaßt  die  Geburtshilfe  und
Gynäkologie.  Die  Unterrichtsmethode  schließt  sich  auch  hier  eng
an  die  bei  den  vorhergehenden  klinischen  Fächern  geschilderte  an.
Es  besteht  demnach  der  Unterricht  in  der  für  den  praktischen  Arzt
so  wichtigen  Geburtshilfe  aus  den  Vorlesungen  über  Geburtshilfe  und
aus  der  praktischen  Tätigkeit  auf  dem  Kreißsaal.  Daneben
bestehen  praktische  Übungskurse  der  geburtshilflichen  Operationslehre
  am  Phantom  sowie  Touchierkurse  an  Schwangeren.
Besonderer  Wert  wird  dabei  auf  die  Erlernung  der  Methoden  der
strengsten  Aseptik  gelegt.  Der  Unterricht  in  der  Gynäkologie
ist  vollkommen  analog  dem  in  der  Chirurgie  angcordnet,  indem  in
der  gynäkologischen  Klinik  vor  dem  Auditorium  die  Untersuchung,
Stellung  der  Diagnose  und  Indikation  geübt  und  die  Operation  selbst
unter  Erörterung  aller  einschlägigen  Verhältnisse  ausgeführt  wird.
Außerdem  werden  besondere  gynäkologische  Untersuchungskurse
  in  der  gynäkologischen  Poliklinik  abgehalten.  Da  gerade
bei  der  Erlernung  der  Geburtshilfe  eigene  praktische  Übung  und  Erfahrung
  die  Hauptsache  ist,  so  istan  den  geburtshilflich-gynäkologischen
Kliniken  eine  für  die  Studierenden  schr  wertvolle  Einrichtung  getroffen.
Diese  besteht  darin,  daß  abwechselnd  cine  Anzahl  Studierender  eine
bestimmte  Zeit,  gewöhnlich  einen  Monat  oder  auch  länger,  in  der  Klinik
wohnen  und  zu  den  in  der  Klinik  und  Poliklinik  vorkommenden
Geburten  unter  der  Aufsicht  eines  Assistenten  zugezogen  werden.  Es  sind
dies  die  sogenannten  „Hauspraktikanten“.  Diese  Einrichtung  ermöglicht
es,  daß  der  größte  Teil  der  Studierenden  einer  beträchtlichen  Anzahl
und  besonders  auch  den  in  der  Nacht  eintretenden  Geburten  anwohnen