Die  metlizinische  Fakultät.  151

Das  praktische  Jahr  und  die  dadurch  entstehenden  neuen  Ansprüche
  an  Städte  und  medizinische  Institute,  die  mit  der  bisher  ausschießlich
  auf  die  Universitäten  beschränkten  Ausbildung  der  Ärzte
nichts  weiter  zu  tun  hatten,  haben  es  mit  sich  gebracht,  daß  vollkommen
  neue  medizinische  Unterrichtsanstalten  in  der  Bildung  beeriffen
  sind.  Es  sind  dies  die  Akademien  für  praktische  Medizin.
  Ich  würde  die  vorliegende  Schilderung  nicht  für  vollständig
halten,  wenn  ich  nicht  auch  diese  wichtigen  Organisationen,  die
erst  in  der  Bildung  begriffen  sind  und  über  deren  definitive
Gestaltung  daher  noch  nichts  Endgültigres  berichtet  werden  kann,  in
das  Bereich  der  Darstellung  zöge*.  Die  rechtliche  Stellung  einer
Akademie  für  praktische  Medizin  ist  so  gedacht,  daß  sie  eine  Veranstaltung
  der  betreffenden  Stadt  sein  soll,  indes  unter  der  Aufsicht
dles  Ministers  der  geistlichen,  Unterrichts-  und  Medizinalangelegenheiten
  steht.  Die  Aufgaben,  welche  die  Akademie  für  praktische
Medizin  verfolgen  soll,  sind  folgende:  1.  den  Kandidaten  der  Medizin
nach  zurückgelegtem  Staatsexamen,  d.h.  den  Praktikanten  Gelegenheit
  zur  Ablegung  des  praktischen  Jahres  zu  bieten;  2.  Gelegenheit
zur  Ausbildung  in  den  ärztlichen  Spezialfächern  zu  geben;  3.  in  Verbindung
  mit  dem  Zentralkomitee  für  das  ärztliche  Fortbildungswesen
Fortbildungskurse  für  praktische  Ärzte  zu  veranstalten;  4.  in  der
Krankenpflege  auszubilden;  5.  Samariterkursc  abzuhalten;  6.  die  praktische
  Medizin  nach  der  wissenschaftlichen  Seite  zu  fördern.  Jede
Akademie  muß  mindestens  5  ordentliche  Mitglieder  besitzen.  Zu
ordentlichen  Mitgliedern  der  Akademie  können  nur  solche  Personen
ernannt  werden,  die  bei  einer  der  Akademie  zugewiesenen  Anstalt
in  leitender  Figenschaft  angestellt  sind.  Dadurch  ist  gewährleistet,
daß  jede  Akademie  zum  mindesten  über  fünf  medizinische  Institute
verfügen  muß,  welche  Hauptfächer  der  praktischen  Medizin  repräsentieren.
  Unter  diesen  muß  eine  Krankenanstalt  für  innere  Medizin,
pathologische  Anatomie,  Chirurgie,  Geburtshilfe  und  ein  Institut  für
Hygiene  vertreten  sein.

Aus  den  hier  gegebenen  Daten  ist  klar  zu  erschen,  daß  die
Akademien  sich  scharf  von  den  medizinischen  Fakultäten  der  Universitäten
  unterscheiden  werden.  Während  kein  Studierender  Arzt
werden  kann,  ohne  durch  10  Semester  an  der  Universität  dem  Studium
obgelegen  zu  haben,  ist  der  Besuch  einer  Akademie  in  sein  Belieben

*)  In  Düsseldorf  ist  die  Gründung  einer  Akademie  (in  Verbindung  mit  dem  Rau

eines  neuen  Krankenhauses)  endgültig  beschlossen  worden.  Ebenso  in  Köln.  In
Frankfurt  a.  M.  wird  sie  von  den  städtischen  Behörden  vorbereitet.