154  Lehrgebiet  und  Tehrbetrieb.

Feld  vor.  Denn  gerade  für  die  Fortbildung  der  die  weit  überwiegende
  Masse  aller  Ärzte  bildenden  praktischen  Ärzte  war  bis  dahin
  von  einer  Zentralstelle  aus  nichts  geschehen.  Es  bedeutet  daher
das  Finsetzen  der  Tätigkeit  des  Zentralkomitees  eine  segensreiche
Umwälzung  auf  dem  wichtigen  Gebiete  der  Fortbildung  des  deutschen
Arztes,  eine  Tätigkeit,  die  in  ihren  Leistungen  für  die  Hebung  des
Wissensniveaus  der  deutschen  Ärzteschaft  nicht  hoch  genug  veranschlagt
  werden  kann.

Daher  lich  auch  die  preußische  Unterrichtsverwaltung  von  Anfang
  an  dem  Zentralkomitee  weitgehende  Unterstützung  und  Förderung.
Diese  drückt  sich  darin  aus,  daß  dem  Zentralkomitee  für  die  Abhaltung
  seiner  Kurse  und  Vorträge  nicht  nur  allein  die  der  Unterrichtsverwaltung
  unterstehenden  Institute  und  Hörsäle  zur  Verfügung  gestellt
  werden,  sondern  daß  auch  alljährlich  in  den  Etat  der  preußischen
Unterrichtsverwaltung  ein  Fonds  für  das  ärztliche  Fortbildungswesen
eingestellt  wird.  Demgemäß  ist  das  ärztliche  Fortbildungswesen  so,
wie  es  jetzt  besteht,  das  Produkt  des  Zusammenwirkens  von  staatlicher
  und  privater  Initiative.

Die  Tätigkeit  des  Zentralkomitces  geht  vor  allen  Dingen  von  den
Gedanken  aus,  daß  die  Fortbildungsmöglichkeit  dem  Arzte  unentgeltlich
  und  ohne  Störung  seines  Berufes  geboten  werden  muß.  In  diesen
Bestrebungen  fand  das  Zentralkomitee  das  weitestgehende  FEintgegenkonnen
  seitens  der  deutschen  Universitätsichrer,  der  Vorstände  der
wissenschäftlichen  Institute  und  der  Krankenhausleiter.  Es  war  auf
diese  Weise  möglich  innerhalb  sehr  kurzer  Zeit  in  einer  großen  Zahl
deutscher  Städte  das  Fortbildungswesen  in  Angriff  zu  nehmen.  Dasselbe
  wird  in  zwei  Formen  gehandhabt:  1.  in  der  Form  von  Vorträgen
über  einzelne  wissenschaftliche  Fragen  oder  über  ein  gesamtes  medizinisches
  Gebiet,  so  daß  in  letzterem  Falle  jeder  Vortrag  mit  dem
folgenden  zusamnienhängt  und  die  gesamte  Vortragsreihe  das  betreffende
  Gebiet  vollständig  erschöpft.  Die  zweite,  weit  wichtigere
Art  des  Fortbildungswesens  besteht  in  dem  Abhalten  von  Fortbildungskursen.
  Jeder  einzelne  dieser  Kurse  dauert  2—3  Monate
mit  gewöhnlich  zwei  Stunden  in  der  Woche.  Die  Kurse  umfassen
alle  Fächer  der  Medizin  einschließlich  der  Spezialfächer,  so  daß  der
Arzt  sich  in  jeglicher  medizinischen  Disziplin  fortbilden  kann.  Alle
Vorträge  und  Kurse  werden  unentgeltlich  gehalten  und  sind  entweder
in  die  Mittags-  oder  in  die  Abendstunden  verlegt,  um  die  Teilnehmer
in  der  Ausübung  ihrer  Praxis  in  keiner  Weise  zu  behindern.  Wie
schr  diese  Einrichtung  einem  Bedürfnis  der  praktischen  Ärzte  nach-