Die  medizinische  Fakultät.  155

kam  und  wie  groß  das  wissenschaftliche  Streben  der  deutschen  Ärzteschaft
  ist,  geht  aus  den  Beteiligungsziffern  hervor,  welcher  sich  Vorträge
  und  Kurse  in  der  kurzen  Zeit  ihres  Bestehens  zu  erfreuen  hatten.
Das  Zentralkomitee  hat  seine  Organisation  bereits  über  24  Städte
Preußens  ausgedehnt.  In  allen  diesen  Städten  bestehen  lokale  Vereinigungen,
  die  mit  dem  Zentralkomitee  in  organischer  Verbindung
stehen.  Auch  in  den  übrigen,  außerpreußischen  Bundesstaaten,  so
in  Bayern,  Baden,  Braunschweig,  Sachsen-Coburg-Gotha,  '  Sachsen,
Hessen,  Hamburg,  Württemberg,  Elsaß-L.othringen,  Mecklenburg-Schwerin,
  ist  das  ärztliche  Fortbildungswesen  in  regen  Fluß  gekommen,
indem  sich  auch  dort  überall  Komitces  gebildet  haben,  welche  für
die  Abhaltung  von  Fortbildungskursen  sorgen.

Denientsprechend  hat  sich  die  Notwendigkeit  herausgestellt,  für
das  ärztliche  Fortbildungswesen  einen  zentralen  Stützpunkt  zu  errichten.
In  erster  Linie  schien  es  erforderlich,  in  Berlin  eine  Sammlung  von
ärztlichen  Lehrmitteln  zu  besitzen,  die  es  gestattet,  den  lokalen
Vereinigungen  die  nötigen  Lehr-  und  Demonstrationsmittel  für  ihre
Fortbildungskurse  leihweise  zur  Verfügung  zu  stellen.  Auf  solche
Weise  nur  ist  es  zu  ermöglichen,  daß  auch  in  kleineren  Städten,  die
nicht  über  große  medizinische  Institute  verfügen,  die  dem  Fortbildungswesen
  dienenden  Vorträge  dennoch  durch  die  neuesten
Lehrmittel  der  Wissenschaft  unterstützt  werden.

Diese  Bestrebungen  des  Zentralkomitces  konnten  rascher  verwirklicht
  werden,  als  man  angenommen  hatte.  Durch  die  reichen
Spenden  einer  großen  Zahl  opferbereiter  Förderer  der  Wissenschaft
erhicht  das  Zentralkomitee  ein  bedeutendes  Kapital,  aus  dem  cine
Stiftung  für  das  ärztliche  Fortbildungswesen  gebildet  wurde.  Zum
Andenken  an  die  cerlauchte  Urheberin  des  gesamten  Fortbildungswesens
  in  Preußen  erhielt  diese  Stiftung  den  Namen  „Kaiserin
Friedrich-Stiftung  für  das  ärztliche  Fortbildungswesen“.
Die  „Kaiserin  Friedrich-Stiftung‘“  bezweckt,  die  auf  die  wissenschaftliche
  Fortbildung  der  Ärzte  gerichteten  Bestrebungen  in  jeder  Beziehung
  zu  fördern  und  zu  dem  Behufe  insbesondere  ein  eigenes
Haus,  das  Kaiserin  Friedrich-Haus  für  das  Ärztliche  Fortbildungswesen,
  als  Mittel-  und  Stützpunkt  dieser  Bestrebungen  zu
errichten  und  zu  crhalten.  In  diesem  Kaiserin  Friedrich-Hausce  soll
die  staatliche  Sammlung  ärztlicher  Lehrmittel,  die  also,  wie
aus  dem  Namen  hervorgeht,  staatliches  Eigentum  wird,  dauernd  Aufnahme
  finden.  Auch  sollen  hier  die  erforderlichen  Verwaltungsräunie
für  das  Zentralkomitee  sowie  in  geeignete  Demonstrations-  und