15h  Liehrgebiet  und  T.ehrbetrieb,

Hörsäle,  Bibliothek  und  Sammlungszimmer,  ferner  sonstige
der  ärztlichen  Fortbildung  dienende  Einrichtungen  untergebracht
werden.

Aus  dieser  Organisation  des  Fortbildungswesens,  die  zum  Teil,
wie  schon  erwähnt,  noch  nicht  vollkommen  durchgeführt,  sondern  in
der  Art,  wie  wir  sie  hier  schildern,  erst  im  Werden  begriffen  ist,
geht  die  Wichtigkeit  derselben  für  die  deutsche  Ärzteschaft  von
selbst  hervor.  In  scinen  Bestrebungen  entspricht  es  den  in  manchen
ländern,  so  in  Amerika  und  in  England  bestehenden  Postgraduate
Medical  Schools,  in  seiner  Organisation  geht  es  weit  über  diese
hinaus.  Es  ist  daher  nicht  zu  bezweifeln,  daß  das  Fortbildungswesen
der  gesamten  Ärzteschaft  und  damit  der  Wissenschaft  und  der
leidenden  Menschheit  zum  größten  Nutzen  gereichen,  und  daß  es
besonders  in  Anbetracht  der  allerhöchsten  Förderung,  die  ihm  Seine
Majestät  der  Kaiser  und  König  huldvollst  entgegenbringt,  sich
ununterbrochen  zu  weiterer  Blüte  entwickeln  wird.

Damit  sind  wir  am  Ende  des  langen  und  vielseitigen  Studienganges
  des  deutschen  Arztes  angelangt.  Es  ist  ein  Studiengang,  der
den  Studenten  auf  breiter  allgemeiner  und  wissenschaftlicher  Grundlage
  in  die  Medizin  einführt,  ihn  durch  die  Kliniken  und  die  der
praktischen  Medizin  dienenden  Institute  der  medizinischen  Fakultäten
zu  dem  eigentlichen  ärztlichen  Berufe  erzicht,  um  dann  den  nach
‚Ableistung  des  praktischen  Jahres  approbierten  Arzt  mittels  des  Fortbildungswesens
  stets  auf  der  Höhe  der  fortschreitenden  Wissenschaft
zu  erhalten.  Auf  allen  diesen  Etappen  erblicken  wir  den  medizinischen
Unterricht  sich  streng  auf  dem  Boden  der  exakten  Naturwissenschaften
bewegen.  Nie  darf  er  indessen  dabei  den  Grundsatz  verlieren,  der  in
den  ersten  Worten  dieses  Aufsatzes  enthalten  ist,  daß  der  Arzt  zu  gleicher
Zeit  eine  Wissenschaft  und  eine  Kunst  beherrschen  muß.  Die  letztere
besteht  darin,  daß  er  das  für  den  einzelnen  Fall  geeignete  Vorgehen
aus  seinem  wissenschaftlichen  Besitze  schöpfen  kann,  daß  er  bei  voller
Wertschätzung  der  Empirie  doch  kein  Schematiker,  kein  Routinier
sein  darf.  Er  muß  eben  ein  Arzt  sein,  d.  h.  ein  Mann,  der  versteht
und  bereit  ist,  in  jeden  einzelnen  Falle  mit  Aufopferung  seiner
ganzen  Kräfte,  nach  einem  wissenschaftlichen  Plane  seine  Kunst  auszuüben,
  eingedenk  des  Grundsatzes,  daß  cs  sich  für  ihn  stets  darum
handelt,  das  höchste  Gut  zu  erhalten,  was  es  in  diesem  I.cben  gibt:
die  menschliche  Gesundheit.