Philosophische  Fakultät:  Philosophie.  Psychologie.  Pädagogik.  165

Universitätsphilosophie  sich  geltend  gemacht  hat,  ist  für  die  l.ogik
insofern  von  Bedeutung  geworden,  als  er  eine  Reihe  von  methodologischen
  Problemen  in  den  Mittelpunkt  des  Interesses  gerückt  hat,
die  teils  unmittelbar  aus  den  Naturwissenschaften  hervorgewachsen,
teils  aber  aus  der  Einwirkung  hervorgegangen  sind,  welche  die  naturgeschichtliche
  Betrachtung  auf  andere  Gebiete,  besonders  Geschichte
und  Nationalökonomie  ausgeübt  hat.  Die  Frörterung  von  Begriffen
wie  Kausalität,  Gesetz,  Kraft  usw.  hat  hierdurch  eine  neue  Uhterlage
  und  neue  Schwungkraft  erhalten,  und  hier  liegt  recht  eigentlich
der  Schwerpunkt,  in  dem  Logik  und  Erkenntnistheorie  zusammentreffen.
  Endlich  kommt  gerade  hier  als  cin  kaum  minder  wichtiges
Moment  der  Einfluß  der  ausländischen  Philosophie,  speziell  der  englischen
  und  besonders  J.  Stuart  Mills  in  Betracht.  Es  findet  denn
auch  dieser  Denker  und  manche  verwandte  Erscheinung  in  den
logischen  und  erkenntnistheoretischen  Vorlesungen  vielfach  Berücksichtigung.
  Allerdings  kann  es  auffallen,  daß  wir  bis  jetzt  so  gut
wie  gar  keine  Vorlesungen  zu  verzeichnen  haben,  die  der  Entwicklung
der  neueren  englischen  und  französischen  Philosophie  speziell  gewidmet
sind;  indessen  deuten  manche  Anzeichen  darauf  hin,  daß  diese
Lücke  demnächst,  wenigstens  an  den  größeren  Universitäten,  ausgefüllt
  werden  wird.

Haben  wir  bisher  die  positive  Seite  des  Einflusses,  den  das
Kantstudium  und  die  kritische  Erkenntnistheorie  auf  die  Universitätslehre
  ausgeübt  hat,  ins  Auge  gefaßt,  so  ist  nun  auch  cine  negative
Wirkung  dieser  Studien  nicht  minder  bemerkenswert.  Diese  äußert
sich  in  dem  Zurücktreten  der  philosophischen  Systematik,  vor  allem
der  Metaphysik  und  der  ihr  zunächst  verwandten  Gebiete,  wie  der
Naturphilosophie.  Vorlesungen  über  diese  Gegenstände  werden
zur  Zeit  innerhalb  der  philosophischen  Fakultäten  Deutschlands  —
von  den  theologischen  ist  hier  nicht  die  Rede  ---  nur  ausnahmsweise
angekündigt  und  auch  wo  es  geschicht,  ist  zumeist  anzunehmen,  daß
nicht  sowohl  ein  metaphysisches  System  überliefert,  als  die  erkenntnistheoretische
  Grundlegung  für  allgemeine  metaphysische  Anschauungren
angreebahnt  werden  soll.  Im  Zusammenhang  damit  steht,  was  für  das
Ausland  vielleicht  eine  besonders  auffallende  Erscheinung  sein  dürfte,
daß  wir  zur  Zeit  keine  philosophischen  Schulen  auf  unseren  Universitäten
  unterscheiden  und  daß  selbst  die  einflußreichsten  Universitäts-Ichrer
  ihre  Schüler  nicht  in  einem  engeren  Sinne  an  ihre  Lehre  binden.
In  dieser  Hinsicht  bildet  der  gegrenwärtisse  Zustand  der  Universitätsphilosophie
  den  denkbar  schärfsten  Gegensatz  gegen  die  Verhältnisse