Philosophische  Fakultät:  Philosophie.  Psychologie.  Pädagogik.  167

des  Denkens  die  innere  Verwandtschaft  und  die  Wechselwirkung  festzustellen,
  welche  dieselbe  mit  der  allgemeinen  Entwicklung  der  Kultur
und  des  menschlichen  Geisteslebens  verbindet.  Sie  sucht  der  nationalen
und  zeitlichen  Bestimmtheit  einerseits,  dem  allgemein  menschlichen
andererseits,  dem,  was  im  Individuellen,  und  dem,  was  im  Wesen  des
Denkens  überhaupt  wurzelt,  gleichmäßig  gerecht  zu  werden:  kurz,  die
Geschichte  der  Philosophie  erweitert  sich  —  wenigstens  dem  vorschwebenden
  Ideale  nach  —  zu  einer  allgemeinen  Geistesgeschichte.
Diesen  Standpunkt  der  Betrachtung  finden  wir  oft  schon  äußerlich
zum  Ausdruck  gebracht,  indem  etwa  „Geschichte  der  Philosophie  mit
Berücksichtigung  der  allgemeinen  Geisteskultur‘‘  oder  ähnliches  angekündigt
  wird.  Aber  auch  da,  wo  das  nicht  geschicht,  darf  man
im  allgemeinen  annehmen,  daß  dieser  Zusammenhang  ausgiebig  berücksichtigt
  wird.  Andererseits  wird  über  der  zunehmenden  Vertiefung
  der  allgemeinen  Betrachtungsart  doch  auch  die  Erforschung
des  einzelnen  keineswegs  vernachlässigt:  im  Gegenteil  macht  sich
überall  das  Bestreben  bemerkbar,  die  Fehler  früherer  Epochen  der
deutschen  Philosophie,  die  über  allzu  kühnen  und  eigenmächtigen
Ideenkonstruktionen  den  Boden  des  Tatsächlichen  unter  den  Füßen
verloren  hat,  zu  vermeiden  und  die  Erkenntnis  der  allgemeinen
Zusammenhänge  auf  die  eindringende  Durchforschung  des  Einzelmaterials
  zu  begründen.  Dies  tritt  begreiflicherweise  weniger  in  den
z  ienfassenden  Vorlesungen,  als  in  den  Seminarübungsen  und  den
daraus  hervorgehenden  Arbeiten,  namentlich  den  Doktordissertationen
zutage.  Diese  beschäftigen  sich  zum  größten  Teil  mit  geschichtlichen
“Aufgaben,  und  hier  sind  es  denn  die  kleineren  Einzelfragen  tatsächlicher
  Natur,  die  zu  ihrem  Rechte  komnıen.

Wie  diese  intensive  Arbeit  an  der  Geschichte  der  Philosophie
mit  dem  Zurücktreten  der  systematischen  Spekulation  in  engem  Zusammenhange
  steht,  so  nötigt  sie  dem  akademischen  Lehrer,  der  sich
ihr  widmet,  eine  gewisse  Resignation  auf.  Er  wird  zunächst  darauf
verzichten  müssen,  seine  persönliche  Weltanschauung  zur  Geltung  zu
bringen,  und  sich  damit  begnügen,  seine  Schüler  zu  einer  vertieften  Erfassung
  der  geschichtlichen  Erscheinungen  zu  erziehen.  Die  Universitätsphilosophie
  begibt  sich  somit  in  cinem  Teil  gerade  ihrer  hervorragendsten
  Vertreter  des  Anspruchs,  den  sie  früher  allgemein  erhoben
hat,  eine  positive  Weltanschauung  zu  lehren  und  die  Geistesverfassung
ihrer  Schüler  nach  allen  Richtungen  hin  zu  bestimmen.  Umsomehr
wird  sie  freilich  durch  die  Methode  ihrer  Betrachtungen  vorbildlich
für  die  anderen  Wissenschaften  und  übt  somit  doch  cinen  mittelbaren