Philosophische  Fakultät:  Philosophie.  Psychologie.  Tädagogik.  169

nissen,  wenn  wir  ihr  cinen  bestimmten  Sonderplatz  zuweisen.  Denn
immer  centschiedener  hat  —  wie  in  anderen  ländern,  so  auch  in
Deutschland  —-  die  Psychologie  eine  Sonderstellung  gegenüber  den
anderen  philosophischen  Disziplinen  angestrebt  und  errungen.  Immermehr
  hat  sie  sich  von  der  Philosophie  als  einem  Gesamtkomplex  losgelöst
  und  ihre  besondere  Aufgabe  ins  Auge  gefaßt.  Diese  Aufgabe
erblickt  sie  bekanntlich  in  der  Anwendung  exakt  natunwissenschaftlicher
  Gesichtspunkte  und  Methoden  auf  das  psychologische  Geschchen,
zumal  in  der  Ausbildung  des  Experiments  und  der  Messung  auf
diesem  Gebiete.  Daher  treten  denn  auch  in  den  Vorlesungen  die
allgemeinen  philosophischen  und  besonders  ınetaphysischen  Probleme,
die  man  früher  mit  dem  Begriff  der  Psychologie  zu  verbinden  pflegte,
durchaus  zurück.  Dafür  werden  die  körperlichen  Grundlagen  des
Sceelenlebens,  die  Physiologie  der  Sinnesorgane,  die  Fragen  der
Psychophysik  im  engeren  und  weiteren  Sinne  des  Wortes,  die  exakten
Methoden  der  psychologischen  Forschung  eingehend  erörtert  und  die
einzelnen  Abschnitte  der  Seelenlehre  nach  dieser  Richtung  behandelt.
Dabei  ruht,  wie  bei  einer  werdenden  Wissenschaft  experimentellen
Charakters  natürlich  ist,  der  Schwerpunkt  des  psychologischen  Studiums
nicht  sowohl  in  den  Vorlesungen,  denen  vielmehr  ein  vorbereitender
oder  zusammenfassender  Charakter  eignet,  als  auf  der  Arbeit  im
l.aboratorium.  Die  Studierenden  zu  eigener  Arbeit,  insbesondere  zu
exakter  Beobachtung  und  zum  Experiment  anzuleiten,  betrachten  wohl
ausnahmslos  alle  heutigen  Lichrer  der  Psychologie  als  ihre  eigentliche
Aufgabe;  demgemäß  besitzen  die  meisten  größeren  Universitäten
psychologische  Institute,  die  neben  den  Hörsälen  eigene  Arbeitsräume
und  eine  mehr  oder  minder  ausgedehnte  Sammlung  von  Apparaten
besitzen.  Sie  sind  freilich  zumeist  noch  in  den  Anfängen  und  schen
einer  allmählichen  Erweiterung  entgegen.  Über  die  näheren  Einrichtungen,
  die  Arten  der  Apparate  usw.  wird  ces  nicht  nötig  sein,
amerikanische  Leser  zu  unterrichten:  ihre  Gelehrten  haben  in  dieser
Hinsicht  soviel  von  den  Deutschen  gelernt  und  übernonmen,  daß  sie
jetzt  bereits  vielfach  zu  l.chrmeistern  für  uns  geworden  sind,  und
jedenfalls  bildet  die  exakte  Psychologie  eins  der  Gebiete,  wo  amerikanische
  und  deutsche  Universitätswissenschaften  sich  am  meisten
berühren.

Eine  weitere  notwendige  Folge  der  exakten  Methode,  mit  der
die  Psychologie  auf  den  heutigen  Universitäten  betrieben  wird,  ist
eine  gewisse  Loslösung  von  den  übrigen  Geisteswissenschaften.  Sie
nimmt  eine  Art  Sonderstellung  zwischen  diesen  und  den  Naturwissen-