Pbilosophische  Fakultät:  Deuische  Philologie  und  Literaturgeschichte.  181

Walter  von  der  Vogelweide,  Hartman  von  Auc  und  Wolfram  von
Eschenbach.  Vor  allem  finden  in  den  Seminaren  regelmäßige  Interpretationen
  an  altdeutschen,  namentlich  aber  an  mittelhochdeutschen
Texten  statt.  Mit  denselben  verbindet  sich  nach  innerer  Notwendigkeit
  und  altem  philologischen  Herkommen  die  Textkritik,  zu  deren
Übung  die  Überlieferung  der  mittelalterlichen  Literaturwerke  reichlich
Gelegenheit  gibt.  An  diese  wiederum  schließt  sich  die  sogenannte
höhere  Kritik,  die  vor  allem  an  der  Eigenart  und  der  Entstehung  der
sroßen  Volksepen  reichen  Stoff  findet.

Auf  dieser  Grundlage  fußt  nun  einerseits  der  literargeschichtliche
Unterricht.  Die  Geschichte  der  älteren  deutschen  Literatur  wird
überall  regelmäßig  gelesen.  Bisweilen  faßt  eine  Vorlesung  die  älteren
Perioden  zusanımen  ;  häufiger  noch  erscheint  die  mittelhochdeutsche
Epoche  gesondert  für  sich.  Jedenfalls  aber  ist  in  dem  ganzen  l.chrbetrieb
  dafür  gesorgt,  daß  es  weder  an  einer  methodischen  und
sorgfältigen  Einführung  in  die  einzelnen  Erscheinungen  noch  an  der
zusanımentassenden  Übersicht  über  das  Ganze  fehlt.

In  enger  Beziehung  zur  Literaturgeschichte  steht  einerseits
Mythologie  und  Heldensage,  andererscits  die  Kenntnis  der  deutschen
Altertümer  in  Sitte,  Recht  und  Kunst.  Die  notwendige  Belehrung
hierüber  wird  zuweilen  mit  Literaturgeschichte  und  Interpretation  verbunden,
  doch  werden  beide  Stoffe  auch  in  eigenen  Vorlesungen  behandelt.
  Hier  ist  der  Punkt,  wo  sich  die  Germanistik  mit  der  Voikskunde
  berührt,  die  ihrerseits,  soweit  sic  das  germanische  Gebiet
betrifft,  nicht  als  besonderer  Gegenstand  von  Vorlesungen  zu  erscheinen
pflegt  und  nach  dem  gegenwärtigen  Stande  der  Wissenschaft  auch  noch
nicht  wohl  erscheinen  kann.

Ferner  erfordert  die  philologische  Interpretation  nun  aber  einchende
  Belehrungen  über  die  Sprache,  die  Erklärung  dichterischer
Werke  auch  solche  über  Metrik.  Beide  Gegenstände  werden  daher
in  eigenen  Vorlesungen  behandelt.  Besonders  die  Grammatik  der
deutschen  Sprache  ist  überall  regelmäßig  Gegenstand  der  Behandlung,
  —  auch  hier  wieder  teils  ciner  mehr  übersichtlichen,  die
ganze  Entwicklung  renfassenden,  teils  einer  eingehenden  und
sondernden,  die  dann  namentlich  die  vergleichende  Kenntnis  der
Mundarten  und  ihrer  Geschichte  anbahnt.  Im  Zusammenhang
hiermit  steht  häufig  die  Behandlung  der  Phonetik,  deren  Bedeutung
  ja  freilich  nicht  auf  das  Gebict  der  grermanischen  Sprachen
beschränkt  ist,  die  vielmehr  auf  die  allgemeine  Sprachwissenschaft
hinuberweist.  Auch  die  Arbeiten,  welche  den  einzelnen  Scminar-