IV.  Englische  und  romanische  Philologie.

Das  neusprachliche  Studium  ist  cine  Wissenschaft  und  zugleich
eine  Fertigkeit.  Dieser  Doppelcharakter  des  Faches  verlangte  um  so
dringender  nach  Berücksichtigung,  je  mehr  sich  die  modernen  Verkehrsmittel
  entwickelten.  Es  genügt  nicht  mehr,  Shakespeare  oder
Moliere  zu  lesen.  Mit  jedem  Schnelldampfer,  der  nach  den  englisch
sprechenden  ländern,  mit  jedem  Schnellzug,  der  nach  Frankreich
eingelegt  wird,  wächst  das  Bedürfnis  mündlicher  Verständigung.  Der
internationale  Briefschreibedrang  hat  schon  unsere  Schülerkreise  erfaßt.
  In  allen  akademischen  Fächern  und  höheren  Erwerbszweigen
ist  der  Ruf  laut:  unsere  leute  brauchen  die  Sprachen  des  Westens  zu
täglicher  und  praktischer  Handhabung.  Die  Universitäten  mußten  so
gebieterische  Kulturansprüche  der  Gegenwart  berücksichtigen.  Dabei
ergab  sich  cine  Reihe  pädagogischer  Neuerungen  wie  kaun  auf
einem  anderen  Unterrichtsgebiete,  und  noch  sind  sie  lange  nicht  abgeschlossen.


Die  wissenschaftliche  Grundlage  ist  im  neusprachlichen  Universitätsbetrieb,
  wie  er  sich  seit  drei  Jahrzehnten  entwickelte,  entschieden
festgehalten  worden.  Es  widerspräche  deutschem  Geiste,  den  Blick
nur  auf  das  unmittelbar  Nützliche  zu  richten  und  die  Wesensfragen
auf  sich  beruhen  zu  lassen.  Selbst  der  Studierende,  so  mühsam  er
sich  auch  in  die  tieferen  Probleme  einarbeitet,  ist  von  ihrer  Unentbehrlichkeit
  für  den  künftigen  Lehrer  überzeugt.  Die  Prüfungsvorschriften
  schweben  ihm  zwar  meist  in  erster  Linie  vor;  doch  hat
er  zugleich  Schulerfahrung  genug,  um  zu  wissen,  daß  ein  Lehrer  ohne
gründliche,  über  den  Werktagsbedarf  hinausgehende  Bildung  in  der
Klasse  einen  schlechten  Stand  hätte.  Er  fühlt,  daß  für  ihn,  den  schon
etwas  älteren  Knaben,  die  rein  nachahmende  Methode  nicht  mehr
ausreicht,  um  sich  richtige  Aussprache  und  Wortfügung  anzueignen.
Völlig  klar  sind  sich  die  Unterrichtsbehörden  darüber,  daß  wer  z.B.  das