1%  Liehrgebtet  und  Tehrbetrich.

anstrengendere.  In  solches  Aussprachelehren  kann  sich  jetzt  der
Professor  fast  an  jeder  deutschen  Universität  mit  einem  Lektor  teilen,
der  in  der  Regel  ein  geborener  Franzose  oder  Engländer  ist,  was
den  Vorteil  hat,  daf  der  Studierende  den  idiomatischen  Accent  hört.
Weil  aber  ein  solcher  Lektor  nicht  aus  cigner  Erfahrung  wissen
kann,  welche  spezielle,  Schwierigkeiten  der  Deutsche  bei  der  Erlernung
  der  betreffenden  Sprache  zu  überwinden  hat,  auch  selten  ein
gründliches  Studium  der  Phonetik  durchgemacht  hat,  so  pflegt  der
Professor  immer  noch  mitzuhelfen.  Wie  viel  Zeit  und  Energie  hierdurch
  den  höheren  Aufgaben  des  Universitätsunterrichts  entzogen
wird,  ist  leicht  zu  ermessen.  Higentlich  gehören  diese  Dinge  auf  die
mittleren  Schulen.  Was  würde  aus  der  klassischen  Philologie  werden,
wenn  die  Mehrzahl  ihrer  Hörer  nicht  mehr  die  Kenntnis  des  Lateinischen
  und  Griechischen  auf  die  Universität  mitbrächte?  Sind
einmal  die  neusprachlichen  l.chrkräfte  an  den  Gymnasien,  Realgymnasien
  und  Oberrcalschulen  so  weit  gehoben,  daß  sie  nur  mehr
Abiturienten  mit  gutem  Französisch  und  Englisch  auf  die  Universität
entsenden  —  cerstrebt  wird  es  vielfach  mit  großem  Eifer  —-,  so  wird
der  Universitätsunterricht  erst  volle  Früchte  bringen.  Darin  liegt
gegenwärtig  die  JTauptschwierigkeit.

Um  ein  Sprechen  in  größerem  Umfange  und  freierer  Weise
den  Studierenden  beizubringen,  werden  Konversationsübungen  gehalten.
  An  kleineren  Universitäten  richtet  sie  ein  rühriger  Lektor  von
selbst  cin.  An  größeren  wurde  neucstens  mit  eigenen  Kursen  dieser
Art  begonnen  (Berlin  und  Göttingen),  die  nur  6  bis  8  Teilnehmer
umfassen  und  von  gebildeten  Angehörigen  der  betreffenden  Sprache
geleitet  werden.  Nur  Studierende,  die  schon  über  richtige  Aussprache
  und  Syntax  verfügen,  werden  aufgenommen.  Um  ihrem
Mangel  an  Wortvorrat  abzuhelfen,  gibt  der  Leiter  bestimmte  Teile
eines  Vokabulars  zum  Lernen  oder  Bücher  über  den  Konversationsgegenstand
  der  nächsten  Stunde  zum  Lesen  auf.  Je  sorgfältigere
Vorbereitung,  desto  mehr  Erfolg.  Auch  eine  Menge  Wissen  über
die  Verhältnisse  und  Sitten  des  Landes,  nützliche  Winke  zum  Reisen
und  Anregungen  zu  moderner  Lektüre  werden  dabei  gegeben.

Zur  Beförderung  des  schriftlichen  Gedankenausdrucks  dienen
Übungen  im  Essayschreiben,  die  speziell  dem  Lektor  zufallen.  Dieser
Teil  des  neusprachlichen  Unterrichts  ist  bisher  wohl  der  schwächste.
Gewifß  auch  der  schwierigste.  Un  in  einer  frennden  Sprache  kompliziertere
  Gedanken  richtig  niederzuschreiben,  muß  man  im  Knabenalter
  durch  Jahre  unter  dem  vollen  Einfluß  jener  Sprache  gelebt