Philosophische  Fakultät:  Semitische  und  andere  onentalische  Sprachen.  197

bedeuten.  Geschichtliche,  religions-  und  kunstgeschichtliche  Studien
sind  in  der  ägyptologischen  Literatur  reich  vertreten  und  werden
auch  im  Uhiversitätsunterricht  neben  der  Einführung  in  das  Verständnis
  der  Sprache  überall  berücksichtigt.

Von  den  anderen  Sprachen,  die  im  westlichen  Asien  gesprochen
werden  und  durch  ihre  Literatur  einen  besonderen  Anspruch  auf
Beachtung  haben,  gehören  das  Neupersische  und  das  Armenische  dem
indogermanischen  Kreise  an  und  kommen  hier  nicht  näher  in  Betracht.
Das  Neupersische  als  die  Sprache  cines  wichtigen  Bruchteils  der
muhanımedanischen  Welt  hat  ein  großes  Maß  seines  Wortschatzes
aus  dem  Arabischen,  der  /ingua  cdassica  des  Islams,  entlehnt,  und
wichtige  Gebiete  seiner  Literatur  stehen  unter  arabischem  Einfluß.
Die  armenische  Literatur  ist  nach  Form  und  Inhalt  der  gleichzeitigen
syrischen  und  griechischen  verwandt.

In  ähnlich  nahen  Beziehungen  zum  Arabischen  wie  das  Neupersische
  steht  auch  das  Türkische,  die  dritte  Literatursprache  des
Islams,  der  westlichste  Repräsentant  cines  außerordentlich  weit  verbreitcten
  Sprachengeschlechts,  welches  das  Zentrun  Asiens  beherrscht
und  sich  von  dort  in  zahlreichen  Sonderformen  nach  West,  Nord  und
Öst  ausdehnt.  Die  Literatur  des  Osmanisch-türkischen  beginnt  im
dreizehnten  Jahrhundert  und  verdankt  das  Wesentlichste  arabischen
Vorbildern.  Die  neuesten  Entdeckungen  im  chinesischen  Östturkestan,
die  Ausgrabung  von  Bildwerk-  und  Lüteraturdenkmälern  aus  der
wenige  bekannten  Epoche  der  Übertragung  des  Buddhismus  von  Indien
und  Tibet  nach  China  und  dem  fernen  Osten  stellen  der  wissenschaftlichen
  Forschung  neue  wichtige  Aufgaben  und  werden  ohne  Zweifel
dazu  beitragen,  auch  diesen  Zweig  asiatischer  Studien  in  nachhaltiger
Weise  zu  fördern.  Der  Osten  Asiens,  das  Chinesische,  Tibetische
und  Mongolische  ist  im  T.ehrplan  der  Universitäten  Berlin  und  L.eipzig
vertreten.

Für  den  Studierenden,  der  sich  mit  selbständiger  wissenschaftlicher
  Arbeit  zu  beschäftigen  wünscht,  bieten  die  Sammlungen  von
Handschriften  und  Denkmälern  nanıentlich  in  Berlin,  Göttingen,
Leipzig,  München  und  Straßburg  ein  willkommenes  Mäterial.  Die
Vermehrung  der  Beziehungen  zum  semitischen  Orient,  wie  sie  von
mehreren  Gesellschaften,  der  deutschen  Palästina-  Gesellschaft,  dem
Berliner  Orient-Komitee,  der  deutschen  Oricent-Gesellschaft,  den  seit
der  Anwesenheit  Kaiser  Wilhelms  in  Palästina  gegründeten  cvangelischen
  und  katholischen,  der  weiteren  Erforschung  des  heiligen  l.andes
gewidmeten  Anstalten  in  Jerusalem  unterhalten  werden,  üben  einen