18  l.chrgebiet  und  J.ehrbetrieb.

anregenden  und  befruchtenden  Einfluß  auf  alle  verwandten  Studien  aus.
Als  ein  besonders  crfreulicher  Fortschritt  ist  es  zu  begrüßen,  daß
zwei  Universitäten,  Göttingen  und  Leipzig,  mit  der  Einrichtung  orientalıscher,
  mit  Studienbibliotheken  ausgerüsteter  Seminarc,  wie  sic  seit
langem  für  die  Studierenden  der  klassischen,  germanischen  und  ncusprachlichen
  Philologie  bestehen,  vorangegangen  sind.

Es  ist  hier  und  da  wohl  der  Versuch  gemacht  worden,  denı
Studenten  bei  seinem  Eintritt  in  die  Universität  einen  sorgfältig  ausgrearbeiteten
  Studienplan  zu  übergeben,  der  ihn  beraten  soll,  welches
die  beste  Reihenfolge  der  von  ihn  zu  betreibenden  Studien  und  die
beste  Verteilung  des  Studiums  über  die  ihm  zur  Verfügung  stehende
Anzahl  von  Semestern  ist,  indessen  dies  ist  nicht  allgemeine  Praxis
geworden.  Gemäß  akademischer  Freiheit  trifft  der  Studierende  seine
eigene  Wahl,  wobei  ihm  freilich  der  Rat  der  akademischen  L.chrer,
wenn  er  ihn  in  Anspruch  nimmt,  nie  fehlen  wird.  Bei  deutschen
Studierenden  pflegt  das  auf  dem  Gymnasium  erlernte  Hebräisch  die
Grundlage  semitischer  Studien  zu  bilden,  und  eine  solche  Grundlage
vorausgesetzt,  darf  für  die  Dauer  des  Studiums  wohl  dic  Zeit  von
sieben  bis  acht  Semestern  als  Mittelmaß  bezeichnet  werden.  An
dieser  Stelle  möchte  ich  nicht  unterlassen  darauf  hinzuweisen,  daß
unsere  amerikanischen  Schüler  im  allgemeinen  die  Zeit,  die  sie  an
deutschen  Universitäten  denn  Studium  des  Orients  zu  widmen  gedenken,
  nach  meiner  Fırfahrung  etwas  zu  kurz  bemessen.

Wie  für  den  Studenten  gilt  auch  für  den  Dozenten  die  akademische
  Freiheit.  Er  wird  darauf  Wert  legen,  alle  Hauptgebiete  seiner
Disziplin  in  geeigneter  Gruppierung  und  Reihenfolge  zu  vertreten,
wobei  er  allerdings  mit  dem  Übelstande  zu  kämpfen  hat,  daß  er
bereits  mehrere  Monate  vor  Anfang  des  betreffenden  Seniesters,  wo
er  noch  nicht  wissen  kann,  welche  Zuhörer  sich  cinfinden  werden,
seine  in  demselben  zu  haltenden  Vorlesungen  und  Übungen  für  den  zu
druckenden  Index  lectionum  feststellen  muß.

Die  Zahl  der  Dozenten,  welche  im  Sommersemester  1903  an
deutschen  Universitäten  orientalische  Sprachen  inklusive  Hebräisch
in  dem  in  dieser  Skizze  behandelten  Umfange  lehrten,  betrug  94,  von
denen  57  den  philosophischen  Fakultäten  angehörten.*)

Eduard  Sachau.

*}  Über  das  orientalische  Seminar  in  Berlin  ».  den  Anhang  zu  dem  Artikel  über
die  Berliner  Universitat,