VI.  Sanskrit.

Unter  den  deutschen  Universitäten  ist  Bonn  die  erste,  an  der
die  Sanskritstudien  Aufnahme  in  den,  Lehrplan  gefunden  haben.  Im
Sommer  1819  kündigte  A.  W.  von  Schlegel  zum  erstenmal  eine
Vorlesung  über  indische  Altertümer  und  Literatur  an,  in  der  Folge
regelmäßig  Anfangsgründe  des  Sanskrit,  Erklärung  des  Rämäyana,
des  Hitopade:a,  der  Bhagavadgitä  usw.  Heute  wird  das  Sanskrit  an
jeder  der  21  deutschen  Universitäten,  an  allen  zusammen  von  mehr
als  JO  Dozenten  gelehrt.  Von  dieser  Zahl  dürften  jedoch  etwa  15
genauer  als  I.ehrer  der  vergleichenden  Sprachwissenschaft  zu  bezeichnen
  sein,  während  anderseits  an  einigen  Universitäten  die  eigentlichen
  Sanskritisten  durch  I.chrauftrag  verpflichtet  sind,  auch  die  vergleichende
  Sprachwissenschaft  in  Vorlesungen  zu  behandeln.  Die
Zahl  der  Studierenden,  die  sich  mit  Sanskrit  beschäftigen,  ist  an  den
verschiedenen  Universitäten  schr  verschieden.  Überall  können  nur
wenige  sich  dem  Studium  der  indischen  Philologie  ausschließlich
widmen  und  die  I.chrer  des  Sanskrit  haben  deshalb  nur  vereinzelt
Gelegenheit,  Spezialisten  auszubilden.  Die  Anzahl  der  klassischen
Philologen,  Germanisten,  Studierenden  der  neueren  Sprachen  usw.,
die  wenigstens  die  Anfangsgründe  des  Sanskrit  erlernen  und  einen
flüchtigen  Blick  in  die  Kulturwelt  Indiens  werfen  wollen,  wechselt  je
nach  dem  Werte,  der  der  fremden  Disziplin  von  den  Lehrern  der
klassischen  Philosophie  usw.  beigemessen  wird,  Zur  Zeit  des
klassischen  Philologen  G.  Curtius,  der  sehr  zur  Frlernung  des  Sanskrit
ermunterte,  hatte  der  Sanskritist  Brockhaus  in  l.eipzig  mehr  als
40  Zuhörer  in  seinem  grammatischen  Kolleg,  während  ausgezeichnete
Lehrer  anderer,  selbst  großer  Universitäten  sich  mit  3  oder  4  begnügen
  mußten.  Noch  heute  sind  die  Verhältnisse  wesentlich  dieselben;
  neben  25  Zuhörern  in  München  finden  wir  anderwärts  verschwindend
  kleine  Zahlen.

Die  Tätigkeit  des  Lehrers  wird  bedingt  durch  die  Art  der
Schüler,  die  seine  Vorlesungen  besuchen.  Wäre  er  unabhängig  von
äußeren  Verhältnissen,  so  würde  der  Sanskritist  wohl  überall  zu-