Philosophische  Fakultät:  Sanskrit.  on

nisse  cine  lange  Reihe  von  hier  nicht  einzeln  aufzuführenden  Schriftwerken
  aus  allen  Gebieten  besonders  der  sogenannten  schönen  Literatur,
  deren  Erklärung  auch  hier  in  konversatorischer  Form  vor  sich
gcht  und  an  den  Zuhörer  große  Anforderungen  stellt.  Dabei  wird
dern  Studierenden  Gelegenheit  gegeben,  sich  einen  Einblick  in  gewisse
  Zweige  der  wissenschaftlichen  Literatur,  in  erster  Linie  das
System.der  indischen  Grammatik  und  das  Alanıkärasästra,  zu  verschaffen,
  ohne  die  cin  Verständnis  der  einheimischen  Kommentare,
deren  Wert  immer  mehr  anerkannt  wird,  unmöglich  ist.  Zugleich
wird  er  bei  der  Erklärung  der  Dramen  in  das  Studium  des  Präkrit
eingeführt.  Im  übrigen  fehlt  es  für  die  oft  schr  kleine  Zahl  der  noch
weiter  Fortgeschrittenen  nicht  an  Vorlesungen,  in  denen  gemäß  den
Spezialstudien  und  Neigungen  der  Lehrer  die  indische  Grammatik,
einzelne  Systeme  der  indischen  Philosophie,  das  indische  Recht,  Fpigraphik,
  Präkrit  und  Päli  usw.,  immer  zusammen  mit  der  Erklärung
entsprechender  Texte,  besonders  gelchrt  werden.  An  die  Vorlesungen
über  Werke  der  klassischen  Literatur  schließen  sich  ferner  exegetische
Vorlesungen  über  den  Veda,  besonders  den  Rigveda  und  ausgewählte
Abschnitte  der  Brähmanas,  in  denen  bei  ersterem  zunächst  gewöhnlich
  Hillebrandts  Vedachrestomathie  zugrunde  gelegt,  später  M.
Müllers  Ausgabe  des  Rigveda  mit  dem  indischen  Konımentare  benutzt
  wird.  Neben  den  exegcetischen  Vorlesungen  werden  endlich
auch  solche  über  Literatur-,  Kultur-,  Religionsgeschichte,  Altertümer
usw.  gehalten,  doch  nchmen  sie  im  I.chrplan  einen  bescheidenen
Raum  ein  und  sind  zum  Teil  auch  für  Nicht-Sanskritisten  berechnet.

Der  Studierende  soll  durch  den  Unterricht  zu  selbständiger
wissenschaftlicher  Arbeit  befähigt  werden,  als  deren  Grundbedingungen
in  erster  Linie  cine  sichere  Kenntnis  der  Sprache  und  aus  cigener
I.ektüre  gewonnene  möglichst  ausgedehnte  Bekanntschaft  mit  der
indischen  Literatur  zu  betrachten  sind.  Diese  können  nur  durch  ausdauernden
  Fleiß  erworben  werden,  und  das  Studium  wird  noch  erschwert
  dadurch,  daß  die  notwendigen  Hilfsmittel  oft  sehr  teuer  und
nicht  leicht  zu  beschaffen  sind.  Glücklicherweise  suchen  die  Uhniversitätsbibliotheken
  ihren  Bestand  an  Werken  der  indischen  Philologie
immer  mehr  zu  vergrößern  und  gestatten  ihre  Benutzung  in  liberalster
Weise  auch  außerhalb  der  Bibliotheksräume.  Außerdem  sind  in  den
letzten  Jahren  an  einigen  Universitäten  Scminare  mit  besonderen
Handbibliotheken  für  Sanskritisten  errichtet  worden,  und  cs  ist  zu  erwarten,
  daß  diese  nützliche  Einrichtung  bald  eine  allgemeine  sein  wird.

F.  Kielhorn.