VII.  Vergleichende  Sprachwissenschaft.

Die  vergleichende  Grammatik  der  indogermanischen  Sprachen
(auch  als  [vergleichende]  Sprachwissenschaft  schlechthin  oder  als  indogermanische
  Sprachwissenschaft  bezeichnet)  hat,  wie  jede  neue,  nicht
auf  altem  Herkommen  beruhende  Disziplin,  nur  langsam,  zum  Teil  spät,
an  den  deutschen  Universitäten  Vertretung  gefunden.  Den  Anfang
machte  Berlin.  1821  erhielt  daselbst  Franz  Bopp  (1791—1867),  der
durch  sein  1816  erschienenes  „Konjugationssystem“  die  indogermanische
  Sprachwissenschaft  inauguriert  und  sich  durch  diese  Arbeit  und
durch  seine  Ausgabe  des  Nala  (1820)  als  Kenner  des  Sanskrit  ausgewiesen
  hatte,  auf  Antrag  der  philosophischen  Fakultät  ein  neu  errichtetes
  Extraordinariat  für  das  Fach  „der  orientalischen  L.iteratur
und  der  allgemeinen  Sprachkunde“.  Die  Berufung  war  zwar  veranlaßt
  durch  die  Entdeckung  des  Sanskrit  und  die  Erkenntnis  der  Bedeutung,
  die  dieses  für  die  Erschließung  der  Sprachenzusammenhänge
(ja  wie  man  glaubte,  für  die  des  Ursprungs  der  Sprachen)  hatte.  Aber
die  Form  des  l.ehrauftrags  hielt  sich  an  Altüberkommenes.  Allgemeine
  Sprachwissenschaft,  sci  es  im  Sinne  der  philosophischen
Grammatik,  sei  es  im  Sinne  einer  in  ungemessene  Weite  gehenden
Sprachenkunde,  war  so  gut  als  die  orientalische  Philologie  bereits  an
den  deutschen  Universitäten  vertreten,  freilich  ohne  daß  dafür  besondere
  Professuren  bestanden  hätten;  es  wurde  da  und  dort  auch  zu
Bopps  Zeiten  noch  in  alter  Weise  darüber  gelesen.  Bopp  selbst  ging  zunächst
  nicht  über  seinen  l.ehrauftrag  hinaus.  Mittelpunkt  seines  Unterrichts
  (wie  auch  seiner  damaligen  wissenschaftlichen  Arbeit)  war  das
Altindische  schlechthin.  Daneben  las  er  wiederholt  Arabisch  und
Persisch  (auch  Texte!),  ferner  als  öffentliche  Vorlesung  für  einen
weiteren  Hörerkreis  mehrmals  „Allgemeine  Sprachengeschichte“.

Erst  im  Jahre  1830  tat  er  den  großen  Schritt  „Vergleichende
Grammatik  der  sanskritischen,  griechischen,  lateinischen  und  gotischen
Sprache“  anzukündigen,  und  den  Stofl,  mit  dem  er  eben  für  seine