Philosophische  Fakultät:  Vergleichende  Sprachwissenschaft.  BANN

gedruckte  „Vergleichende  Grammatik  des  Sanskrit,  Send  usw.‘  beschäftigt
  war,  auch  zum  Gegenstand  des  Unterrichts  zu  machen.  Mit
sicherem  Takt  zog  er  hier  den  Kreis  enger  und  verglich  mit  dem
Sanskrit,  das  sich  ihm  als  Grundlage  der  Darstellung  von  selbst  verstand,
  nur  solche  Sprachen,  für  die  er  allgemeinere  Kenntnis  voraussetzen
  konnte.  Von  da  an  war  sein  Unterricht  anders  gestaltet.
Arabisch  und  Tersisch  überließ  er  nun  den  Fachleuten.  Jene  Hauptvorlesung
  aber  wiederholte  er  in  regelmäßiger  Wiederkehr,  nur  daß
er  ctwa  bei  der  Ankündigung  die  Bezeichnung  etwas  variierte.  Ein
paarmal  tat  er  den  weitern  Schritt  (nach  dem  Vorgange  Potts  und
der  Germanisten),  eine  einzelne  indogermanische  Sprache  komparativ
zu  behandeln;  so  zuerst  183%  mit  der  Vorlesung  „Griechische
Etymologie  mit  Vergleichung  des  Sanskrit“.  Ähnlich  später  über
Gotisch  und  Deutsch,  Griechisch  und  l.atein,  Neupersisch.  Bei  alledem
  war  Bopps  Wirksamkeit,  auch  nachdem  er  (1825)  Ordinarius  geworden
  war,  zwar  von  allgemeiner  Anerkennung  getragen,  aber  immer
sehr  beschränkt.  Spezialschüler  hatte  er  nur  wenige.  Die  bcdeutendsten,
  Rosen  und  Stenzler,  haben  ausschließlich  als  Indologen
gearbeitet.

Erst  auf  Bopps  Vorgang  hin  wurde  vergleichende  Grammatik
auch  anderwärts  in  den  Kreis  des  akademischen  Unterrichts  aufgenommen.
  Zuerst  in  Bonn,  wo  als  IL.chrer  des  Sanskrit  seit  1818
August  Wilhelm  von  Schlegel,  später  auch  sein  Schüler  Christian
lassen  wirkte;  I.ehrer  und  Schüler  Bopps  Antagonisten,  in  vielem
ihm  ebenbürtig,  zum  Teil  überlegen.  Ein  Jahr  nach  Bopp  kündigte
lassen,  der  zuvor  neben  den  Sanskritcollegia  bloß  „Allgemeine
Sprachenkunde“  (oder  „-geschichte‘)  vorgetragen  hatte,  „Vergleichende
Grammatik  des  Sanskrit  und  der  damit  verwandten  Sprachen"  an,
und  diese  Vorlesung  gehörte  fortan  zum  Pensun  des  Bonner  Indologen.
Von  l.assen,  der  sie  oft  wiederholte,  übernahmen  sie  seine  Nachfolger;
  selbst  Gildemeister,  obwohl  zugleich  Vertreter  der  semitischen
Philologie,  hat  sie  mehrmals  angekündigt.  Es  wurde  mit  der  Vorlesung
  oflenbar  ein  tatsächlich  vorhandenes  Bedürfnis  befriedigt;  denn
den  eigenen  Studien  l.assens  und  Gildemeisters  entsprach  sie  nicht.
In  ihren  Schriften  trugen  sie  zum  Aufbau  der  vergleichenden  Grammatik
  nichts  bei.  Immerhin  hat  l.assen  durch  seine  Kritik  Bopps,
seine  Arbeiten  auf  dem  Gebiete  des  Mittelindischen,  scine  Teilnahme
an  der  Erschließung  des  Altpersischen  und  des  Umpbrischen  sich
über  seine  hohe  Befähigung  für  geschichtliche  Sprachforschung  ausgewiesen.
