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die  Stellung  neuer  Probleme  mächtig  angeregt;  ihr  Gebiet  durch  die
Erschließung  bis  dahin  verkannter  oder  wenig  gepflegter  Sprachen,
durch  das  Aufblühen  neuer  Disziplinen,  wie  der  Phonetik  und  der
von  Delbrück  nach  wirkungslosem  Vorgang  andrer  in  Wissenschaft
und  Unterricht  eingeführten  vergleichenden  Syntax,  bedeutend  erweitert.
  Eine  Reihe  junger  Talente  wandte  sich  diesem  Studium  zu.
So  entschloß  man  sich  vielerorts,  den  akademischen  Unterricht  nach
dieser  Seite  auszubauen.

Noch  Schleicher  hatte  in  Jena  nur  durch  seine  persönliche  Bedeutung
  und  durch  die  besondere  Gunst  und  Einsicht  einzelner  das
Amt  eines  Lehrers  der  Sprachwissenschaft  erworben,  und  auch  dies
mit  der  doppelten  Einschränkung,  daß  er  zugleich  germanische
Philologie  zu  vertreten  hatte,  und  daß  er  nicht  in  die  Reihe  der
ordentlichen  Fakultätskollegen  einrückte.  Und  noch  1868  wollte  man
an  einer  großen  deutschen  Universität  Sprachwissenschaft  schlechtwer
so  wenig  als  ein  wissenschaftliches  Fach  anerkennen,  daß  man  aus
diesem  Grund  einem  ausgezeichneten  Bewerber  die  Venia  verweigerte.
Nun  wurde  cs  anders.  1872  wurde  in  Berlin  neben  die  alte  einst  für
Bopp  gestiftete  Sanskritprofessur  ein  L.ehrstuhl  für  Sprachwissenschaft
gestellt,  den  zuerst  der  scharfsinnire  Keltologe  Ebel,  dann  von
1876—  1901  Johannes  Schmidt  einnahm,  ein  zwar  nicht  für  die  Menge,
aber  für  die  Vorbereiteten  und  Begabten  höchst  wirkungsvoller  T.ehrer.
Fbenso  erhielt  bei  der  Neugründung  der  Universität  Straßburg
der  sprachwissenschaftliche  Unterricht  von  vornherein  seine  Stelle;
Max  Müller  kam  von  Oxford  herbei,  um  ihn  durch  einen  Vortrag
über  die  Resultate  der  vergleichenden  Sprachwissenschaft  zu  cröffnen.
Andere  Universitäten  folgten  teils  unmittelbar  (so  Heidelberg,  wo  der
auch  um  Indologie  und  Sprachwissenschaft  verdiente  Germanist  Holtzmann
  bereits  1853  Vorlesungen  über  vergleichende  Grammatik  eingeführt
  hatte),  teils  in  den  nächsten  Jahrzehnten;  zuletzt  1902  Rostock.

So  ist  gegenwärtig  die  indogermanische  Sprachwissenschaft
wenigstens  dem  Namen  nach  an  allen  deutschen  Universitäten  vertreten;
  und  zwar  in  folgender  Abstufung,  für  die  namentlich  die  Abgrenzung
  gegenüber  der  Sanskritphilologie  in  Betracht  komnit:  Je
ein  Ordinariat  für  beide  Disziplinen  besitzen  die  Universitäten  Berlin,
Göttingen,  Halle,  Leipzig,  Straßburg;  ein  Ordinariat  und  ein  Extraordinariat
  die  Universitäten  Bonn,  Breslau,  Freiburg,  Heidelberg,
Königsberg,  Marburg,  wobei  der  Ordinarius  meist  I.chrauftrag  für
beide  Fächer  hat,  dem  Extraordinarius  bald  die  spezielle  Vertretung
der  indischen  Philologie,  bald  die  der  Sprachwissenschaft  zukommt.