VID.  Geschichte.
Kunstgeschichte.

Die  neuere  deutsche  Geschichtswissenschaft  muß  als  das
Gemeingut  aller  humanistischen  Disziplinen  betrachtet  werden.  An
der  Verfeinerung  der  Methoden  wie  an  der  Vermehrung  der  Quellen,
an  der  Forschung  und  an  der  Darstellung  haben  Theologen  und
Juristen,  Philosophen  und  Nationalökonomen,  Philologen  und  Historiker
im  engeren  Sinn  gleichmäßig  Anteil.  Mit  dem  Geschichtsunterricht
an  den  deutschen  Universitäten  steht  es  heute  nicht  anders.

Alle  deutschen  Universitäten  haben  mehrere  Professoren  und
Dozenten,  die  sich  Historiker  schlechthin  nennen.  Aber  neben  ihnen  bchandeln
  zahlreiche  Vertreter  der  übrigen  humanistischen  Disziplinen  auch
ihrerseits  Abschnitte  aus  der  Geschichte  und  ihren  Hilfswissenschaften.
Oft  wird  kaum  cin  Unterschied  zu  verspüren  sein  zwischen  den  Vorlesungen
  der  Theologen  und  Historiker  oder  der  Juristen  und
Historiker  über  einzelne  Perioden  oder  Seiten  des  geschichtlichen
lebens.  Gewisse  Stoffe*),  etwa  die  Geschichte  der  Universitäten
selbst,  werden  je  nach  Neigung  von  Theologen,  Philosophen,  Philologen
  und  IHlistorikern  gelesen.  Die  ägyptischen  Papyri  oder  die
deutschen  Rechtsquellen  des  Mittelalters  werden  von  Juristen,  Philologen
  und  Historikern  traktiert;  Philologen  und  Kunsthistoriker
schließen  ihre  Untersuchungen  an  Goethes  italienische  Reise  oder
Iurers  Briefe,  an  Dante  oder  Petrarca  an.  Und  dabei  werden  überall
in  verwandter  Weise  die  Grundsätze  der  Quellenforschung,  der  Kritik
und  der  Interpretation  gelehrt.

Neben  der  Behandlung  gleicher  Quellen  und  gleicher  Probleme
herrscht  freilich  in  noch  höherem  Grade  die  Arbeitsteilung.  Alle

*)  Diese  und  die  spüteren  Angaben  über  Vorlesungen  und  Übungen  nach  den
ultiziellen  Verzeichnissen.