Philosophische  Fakultät:  Geschichte.  An

meistens  mit  der  Rechts-  und  Kirchengeschichte;  und  das  um  so
mehr,  als  ihnen  auch  die  Geheimnisse  der  Quellenforschung  an  den
für  sie  brauchbaren  Materialien  des  eissenen  Faches  dargestellt  werden.
Die  Folge  davon  ist,  daß  die  Fachhistoriker  außer  für  ihren  eigenen
Nachwuchs  an  Archiven  und  Universitäten  fast  ausschließlich  für  die
anscehenden  Lehrer  an  den  höheren  Schulen  dozieren.  Darin  liegt
natürlich  die  Gefahr  einer  unmittelbaren  Relation  zwischen  dem  Universitäts-
  und  dem  reglementierten  Schulunterricht.  Es  hat  wirklich
nicht  an  den  gröbsten  Forderungen  in  dieser  Hinsicht  gefehlt,  und
sonst  verständige  Männer  haben  allen  Ernstes  gewünscht,  dafs  die
Universität  unmittelbar  auf  den  Schulunterricht  vorbereiten  möge.  Ein
unberechtigter  Eingriff  in  die  pädagogische  Selbstbestimmung  der
Schule!  Die  Universität  glaubt  auch  der  Schule  am  besten  zu  dienen,
wenn  sic  dem  späteren  Lehrer  seinen  Stoff  wissenschaftlich  erschließt,
damit  er  dereinst  an  seinem  Platze  mit  eigenem  Urteil  und  vorbildlicher
  Unbefangenheit  wirke.

Immerhin  fehlt  cs  keineswegs  an  Relationen  zwischen  dem  Unterricht
  an  den  Universitäten  und  demjenigen  an  den  höheren  Schulen.
Die  Gebiete,  die  auf  den  Schulen  behandelt  werden,  stehen  auch  aut
den  Universitäten  im  Vordergrund,  vorzüglich  die  griechische  und
römische,  die  deutsche  und  die  preußische  Geschichte;  ja  sie  bilden
in  ihrer  periodischen  Wiederkehr  durchaus  die  festen  Größen  ım
Lehrplan  der  Universitäten.  Auch  die  Richtung  auf  die  politische
Geschichte  wird  wesentlich  gestärkt  durch  die  Bedürfnisse  der  Schule.
Unigekehrt  üben  die  Veränderungen  in  der  Weltanschauung,  im  Geschmack
  und  im  politischen  Leben  ihre  Wirkung  im  ganzen  leichter
auf  den  Universitätsunterricht  und  im  allgemeinen  erst  durch  diesen
auf  die  Schule.  Solche  Wirkungen  lassen  sich  schon  in  kurzen  Zeiträumen
  beobachten.  Bevorzugte  Themata  der  früheren  Generationen
sind  zurückgetreten  und  neue  dafür  aufgenommen;  oder  cs  ist  den
alten  Stoffen  wenigstens  ein  moderner  Aufputz  gegeben.  Vergleicht
man  auch  nur  eine  Zusammenstellung  der  Vorlesungen  und  Übungen
aus  den  letzten  zehn  Jahren,  so  fallen  schon  charakteristische  Veränderungen
  in  die  Augen.  Statt  der  für  das  Mittelalter  früher  fast
dominierenden  Vorlesung  über  allgemeine  und  deutsche  Verfassungsgeschichte
  heute  ein  starkes  Hervortreten  der  Sozial-  und  \Wirtschaftsgeschichte;
  es  ist  zu  vermuten,  dafs  der  Inhalt  der  Vorlesungen  sich
nicht  in  dem  Maße  geändert  hat,  wie  ihre  Titel;  aber  daß  es  statt
„Französische  und  englische  Geschichte“  jetzt  heißt  „Vergleichende  französisch-engllische
  Sozial-  und  Verfassungsgeschichte"  ist  bezeichnend.

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