Philosophische  Fakultät:  Geschichte.  &gt;15

Aus  der  Erziehung  in  den  Seminaren  gehen  die  selbständigen
wissenschaftlichen  Arbeiten  hervor,  die  bei  genügender  Reife  als
Dissertationen  zur  Einverbung  des  Doktorgrades  dienen  können.  In
einem  guten  Seminar  haben  die  Studenten  Anregung  genug,  sich
selbst  die  Themata  zu  stellen;  bei  der  Ausarbeitung  werden  sie  in
freiem  Verkehr  von  ihrem  L.chrer  vielfach  eingehend  beraten.  Fragen
der  literarischen  Form  zum  Beispiel  werden  weniger  systematisch  als
in  solchen  Besprechungen  zwischen  dem  I.chrer  und  dem  einzelnen
Schüler  erörtert.

Die  historischen  Vorlesungen  sind  auf  den  ersten  Blick  von  einer
fast  verwirrenden  Vielseitigkeit;  bei  näherem  Zusehen  ergeben  sich
aber  doch  schr  bestimmt  die  regelmäßig  wiederkehrenden  Hauptstoffe.
Diese  werden  in  den  großen  wöchentlich  vierstündigen  Vorlesungen
behandelt.  An  der  Spitze  der  Vorlesungen  erwartet  man  vielleicht
die  Geschichtsphilosophie;  sie  erscheint  ab  und  an  im  I.chrplan  der
Philosophen.  Die  Historiker  gehen  auf  die  Prinziptenfragen  entweder
in  der  vielfach  verbreiteten  Einführung  in  das  Studium  der  Geschichte
oder  lieber  noch  im  Zusammenhang  der  Vorlesungen  bei  passender
Gelegenheit  ein.  Von  der  Politik  als  System  war  schon  die  Rede.

Qucellenkunde  wird  für  das  Altertum  und  die  Neuzeit  nicht  allzu
häufig,  dagegen  mit  einer  gewissen  Regelmäßigkeit  für  das  Mittelalter
gelesen.  „An  der  historischen  Geographie  beteiligen  sich  begreiflicherweise
  Historiker  und  Geographen:  die  Landeskunde  von  Italien  ist
am  meisten  beliebt,  daneben  die  Geographie  von  Palästina  und  von
Mitteleuropa;  historisch-geographische  Institute  bestehen  in  Berlin
und  in  Leipzig.  Fast  überall  wird  in  gewissen  Intervallen  über
Chronologie  und  Kalenderwesen  vorgetragen,  teils  von  Historikern,
teils  von  Astronomen.  Aus  dem  Gesamtgebiet  der  Paläographie
pflegen  die  alten  Historiker  die  Papyruskunde  und  die  F.pigraphik.
Historiker  und  Philologen  teilen  sich  in  die  Paläographie  der  Handschriften,
  wobei  dic  orientalischen  und  griechischen  Handschriften
zurückstehen;  dafür  erstreckt  sich  die  lateinische  und  deutsche  Paläographie
  an  mehreren  Universitäten  auch  auf  die  Handschriften  des
XVI  und  XVIM.  Jahrhunderts.  Die  Paläographie  der  Urkunden  wird
in  die  diplomatischen  Übungen  einbezogen,  die  sehr  mit  Recht  häufiger
angekündigt  werden,  als  die  systematischen  Vorlesungen  über  Diplomatik.
  Archivichre  traktiert  man  systematisch  in  Marburg  und  in
Straßburg,  Bibliothekskunde  in  Göttingen  und  Leipzig.  Obwohl  an
mehreren  Universitäten  nach  alter  Sitte  Münzkabinctte  bestehen,
begegnen  Vorlesungen  über  Numismatik  spärlich.