216  Lehrgebiet  und  I.chrbetrich.

Allgemeine  Weltgeschichte,  eine  Zeitlang  aus  dem  l.ehrplan  der
Universitäten  fast  verschwunden,  tritt  jetzt  gelegentlich  gern  als  vergleichende
  Sozialgeschichte  wieder  auf.  Aus  der  Geschichte  des
Altertums  sind  zunächst  Vorlesungen  über  den  alten  Orient,  über
ägyptische  Geschichte  und  Kultur,  über  Armenien  und  über  die  älteste
griechische  Kultur  zu  verzeichnen.  Etwas  regelmäßiger  erscheint  die
eigentlich  griechische  Staatsgeschichte,  insbesondere  das  Zeitalter  des
Perikles;  in  gesteigerter  Häufigkeit  die  Zeit  Alexanders  und  die  Kultur
der  hellenistischen  Zeit.  Mchr  noch  als  die  griechische  Geschichte
wird  die  römische  in  einzelnen  Abschnitten  gelesen:  bis  zu  den
punischen  Kriegen,  von  den  Gracchen  bis  auf  Cäsar,  am  meisten
die  Geschichte  der  römischen  Kaiserzeit;  die  Hauptabschnitte  überall
und  einigermaßen  regelmäßig.  In  der  Übergangszeit  begegnen
sich  alte  und  mittelalterliche  Historiker  in  der  Behandlung  der
germanischen  Urgeschichte  und  der  römisch-germanischen  Kricge.
Das  eigentliche  Mittelalter  wird  meist  in  zwei  Hälften  zerlegt  mit  der
Scheidung  am  Finde  des  XII.  Jahrhunderts  oder  um  1250.  Indessen
schr  viel  häufiger  als  die  allgemeine  Geschichte  des  Mittelalters  liest
man  noch  immer  die  Geschichte  der  deutschen  Kaiserzeit  oder  nur
einen  Teil  derselben,  mit  Vorlicbe  die  Hohenstaufenzeit.  Dancben
schören  zu  den  geläufigsten  Vorlesungen  die  Geschichte  der  Kreuzzüge
  und  die  Geschichte  des  Städtewesens,  beide  von  kleinerem
Umfange.  Die  früher  ganz  unvermeidliche  Verfassungsgeschichte  ist,
wic  es  scheint,  vielfach  durch  die  modernere  Wirtschaftsgeschichte
verdrängt  oder  wenigstens  ergänzt;  außerdem  bevorzugt  die  Verfassungsgeschichte
  im  Gegensatz  zu  früher  die  jüngeren  Jahrhunderte  vor  den
älteren.  Kirchliche  Verfassungsgeschichte,  Kulturgeschichte  des  Mittelalters
  und  Geschichte  der  mittclalterlichen  Weltanschauung  werden  an
einigen  Universitäten,  Kultur  und  Geschichte  der  Renaissance  fast
überall  dargestellt.

Die  allgemeine  Geschichte  der  Renaissance  wird  auch  als  Einleitung
  zur  Reformationsgeschichte  gelesen;  diese  selbst  erscheint  bald
als  deutsche,  bald  als  europäische  Geschichte  und  gehört  zu  den
regrelmäßigsten  Vorlesungen  überhaupt.  Gegenreformation  und
Religionskriege,  das  Zeitalter  von  1648--1789,  dann  die  Revolutionsund
  die  napoleonische  Zeit,  endlich  das  XIX.  Jahrhundert,  bezeichnen
die  gebräuchlichsten  Zeitabschnitte;  im  einzelnen  mannigfache  Verschiedenheiten,
  zumal  in  den  Bezeichnungen.  Die  napolconische  Zeit
oder  die  Freiheitskriege  werden  gem  für  sich  herausgehoben,  das  XIX.
Jahrhundert  auch  sonst  vielfach  zerlegt,  insbesondere  in  die  Zeit  vor