Philosophische  Fakultät:  Geschichte.  &gt;17

und  nach  1848.  Verbreitet  ist  die  gesonderte  Darstellung  der  Verfi
  gsgeschichte  des  XIX.  Jahrhunderts.  Kleinere  Vorlesungen
werden  einzelnen  Kriegen,  der  Geschichte  der  Parteien,  der  politischen
Ideen,  vorzüglich  dem  Sozialismus  gewidmet.  Die  Beschränkung  auf
die  deutsche  oder  gar  auf  die  preußische  Geschichte  ist  auch  bei
größeren  Vorlesungen  verbreitet;  im  übrigen  fehlt  es  nicht  an  Versuchen,
  die  ganze  deutsche  oder  die  ganze  preußische  Geschichte  in
einer  einzigen  Vorlesung  zusammenzufassen.  Für  die  außerdeutsche
Staatengeschichte  ist  das  sogar  das  normale.  Nur  die  italienische
Geschichte  bleibt  meist  auf  das  Mittelalter  und  die  Renaissance
beschränkt.  Die  englische  Geschichte  und  diejenige  der  Vereinigten
Staaten  pflegt  mit  besonderer  Rücksicht  auf  die  Sozial-  und  Wirtschaftsgeschichte
  gelesen  zu  werden,  die  französische  entweder  im
Überblick  oder  von  der  Renaissance  bis  zur  Revolution.  Russische
Geschichte  wird  besonders  an  der  Universität  Berlin  regelmäßig  gelehrt.
Eine  Analogie  zu  der  preußischen  Geschichte  auf  preußischen  Universitäten
  ist  die  bayerische,  sächsische  und  mecklenburgische  Geschichte
an  den  betreffenden  I.andesuniversitäten.  Figentlich  landschaftliche
Geschichte,  etwa  Schlesiens,  des  Ermlands,  Hessens  oder  L.othringens
findet  man  überraschend  selten  angezeigt.

Die  Technik  der  sogenannten  Vorlesungen  ist  schon  insofern
sehr  verschieden,  als  alle  Abstufungen  zwischen  dem  ganz  freien  Vortrag
und  der  wirklichen  Vorlesung  eines  ausgearbeiteten  Manuskripts  vorkommen;
  das  häufigste  wird  scin  der  freie  Vortrag  im  Anschluß  an
ein  wenigstens  stofflich  genau  disponiertes  Heft.  Noch  weniger  gleichmäßig
  ist  die  innere  Anlage  der  historischen  Vorlesungen:  abgerundete
Bilder  im  Vortragsstil,  7  nhängende  Erzählung,  raisonnierende
Entwicklung,  Wechsel  zwischen  erzählenden  und  quellenkritischen
Abschnitten,  Auswahl  einzelner  Probleme,  —  aber  heutigen  Tages
wohl  nirgends  mehr  Anschluß  an  ein  Lehrbuch  oder  an  eine  bestimmte
Darstellung.  Nur  ausnahmsweise  werden  etwa  Quellen  im  Zusammenhang
  der  Vorlesung  gemeinsam  gelesen.  Den  einen  komnit  es  darauf
an,  unter  Berücksichtigung  aller  neueren  Forschungen  cin  möglichst
eindrucksvolles  Bild  zu  geben,  den  anderen,  über  den  gegenwärtigen
Stand  der  einzelnen  Fragen  genau  zu  unterrichten.  Die  Meinungen
der  Fachgenossen  selbst  gehen  stark  auseinander;  hier  wird  mehr  nach
gelehrtem  Wissen  und  methodischer  Erziehung,  dort  mehr  nach
politischer  oder  philosophischer  Durchdringung  gestrebt;  wenn  nicht
alles  täuscht,  ist  die  letztere  Richtung  wieder  im  Aufsteigen.  —