99  Lehrgebiet  und  I.chrbetrieb.

als  Ordinariate.  In  Süddeutschland  schuf  man  gleichzeitig  Lehrstühle
nur  in  Straßburg  und  an  der  technischen  Hochschule  in  München.
Die  übrigen  süddeutschen  Universitäten  folgten  dem  Beispiel  weit
später,  meist  erst  im  letzten  Jahrzehnt  dcs  vergangenen  Jahrhunderts,
und  zwar  zunächst  nur  mittelst  Frrichtung  von  außerordentlichen
Professuren.  Zur  Zeit  entbehrt  jedoch  außer  Rostock  keine  Universität
  des  Deutschen  Reiches  eines  eigenen  besoldeten  Lehrstuhles
der  Erdkunde.  In  Berlin  (seit  1889),  und  Leipzig  (scit  1899)  ist  das
Fach  bereits  mehrfach  besetzt,  indem  dort  ein  eigenes  Ordinariat,  hier
ein  Extraordinariat  für  historische  Geographie  besteht.  An  den  technischen
  Hochschulen  Münchens  und  Dresdens  ist  die  Erdkunde  schon
seit  Jahrzehnten  vertreten.  Von  den  neuen  Handelshochschulen  hat
allein  Cöln  eine  cigene  Professur  für  Geographie.  Aber  das  Interesse,
welches  das  geographische  Studium  fast  überall  gefunden  hat,  bot
bald  Anlaß  zur  Habilitierung  jüngerer  Gelchrter  für  das  Fach  der
Erdkunde  an  einzelnen  Universitäten,  wo  sie  meist.  energisch  mit  in
den  Lehrbetricb  eingriffen.  So  kommt  cs,  daß  man  innerhalb  des
Deutschen  Reiches  an  den  oben  genannten  25  Hochschulen  bereits
41  Vertreter  der  Geographie  zählt.  Darunter  befinden  sich  17  Ordinarien,
  9  Extraordinarien  und  15  Dozenten;  letztere  verteilen  sich
auf  10  Hochschulen.

Eine  Ergänzung  findet  das  geographische  Studium  durch  die
Vorlesungen  und  Übungen  einer  Reihe  von  mehr  oder  weniger  nahverwandten
  Fächern.  Soweit  dabei  jedoch  schon  länger  eingebürgerte
Disziplinen,  wie  Astronömic,  Geologie,  Statistik  und  Nationalökononnie
in  Frage  kommen,  schließen  wir  sie  bei  den  folgenden  Betrachtungen
aus.  Wo  cs  sich  aber  um  neuerdings  sich  abzweigende  oder  zur
selbständigen  Vertretung  gelangte  Fächer,  wie  z.  B.  Geophysik  auf
der  einen,  Anthropologie  und  Ethnographie  auf  der  anderen  Seite,
handelt,  soll  ihrer  im  Anschluß  an  das  Hauptthema  kurz  gedacht
werden.

Die  Hörerschaft.  Für  das  Verständnis  des  heutigen  Gesanttbetriebes
  der  Erdkunde  an  den  deutschen  Hochschulen  ist  die  Zusammensetzung
  des  Publikums,  welches  die  akademischen  Geographen
im  Durchschnitt  vor  sich  schen  und  zum  geographischen  Studium  anzuleiten
  haben,  von  nicht  zu  unterschätzender  Bedeutung.  Allerdings
teilt  die  Krdkunde  mit  den  meisten  anderen  in  den  philosophischen
toder  natunwissenschaftlichen)  Fakultäten  vertretenen  Fächern  die  Erfahrung,
  dafs  weitaus  die  Mehrzahl  des  Zuhörerkreises  beabsichtigt,
sich  später  dem  I.ehrfach  an  höheren  Schulen  zuzuwenden.  Ein  prak-