Philosophische  Fakultät:  Geographie.  2327

tischer  Beruf  steht  ihr  zur  Zeit  nur  in  beschränktem  Maße  oflen.  Die
Aussichten,  das  Leben  künftig  ausschließlich  und  berufsmäßig  der
Wissenschaft  der  Geographie  widmen  zu  können,  sind  bei  uns  gering,
wenngleich  im  Wachsen  begriffen,  einerseits  durch  die  Vermehrung
der  akademischen  l.chrstühle,  andererseits  durch  den  vermehrten
Bedarf  an  wissenschaftlichen  Kräften  innerhalb  der  großen  kartographischen
  Anstalten.  Man  wird  hier  ziemlich  scharf  zwischen  wissenschaftlichen
  und  rein  technischen  Kartorsrraphen  unterscheiden  können.
An  den  höheren  Schulen  ist  die  Geographie  ---  und  hierin  wird  zum
mindesten  für  absehbare  Zeit  eine  Änderung  wohl  nicht  eintreten  —
ein  mit  wenigen  Stunden  bedachtes  Nebenfach.  Reine  Fachlehrer  der
Erdkunde  finden  an  diesen  daher  keinen  Platz.  Ist  in  Norddeutschland
  zum  Glück  scit  kurzem  fin  Preußen  scit  1898)  die  Zahl  von
lchrfächern,  deren  Beherrschung  ein  Kandidat  des  höheren  Schulamts
  behufs  Anstellung  nachweisen  muß,  auch  beschränkt  worden,  so
echören  doch  noch  immer  mindestens  deren  drei  zum  Bestehen  einer
Prüfung.  In  Norddeutschland  ist  die  früher  bestehende  unbedingte
Verknüpfung  des  geographischeu  mit  dem  historischen  Studium  schon
seit  1887  abgestreift,  und  es  können  sich  Historiker,  Alt-  und  Neuphilologen,
  Mathematiker  und  Naturwissenschaftler  frei  die  Geographie
als  eines  ihrer  Haupt-  oder  Nebenfächer  wählen.  In  Süddeutschland,
speziell  in  Bayern,  werden  überhaupt  nur  Reallehrer,  die  gleichzeitig
geschichtliche  und  germanistische  Studien  getrieben  haben,  zu  einer
Fachprüfung  in  der  Geographic  zugelassen.  Wie  dem  auch  sei,  der
geographische  Dozent  findet  infolge  dieser  Verhältnisse  ein  nach  Vorbildung
  und  wissenschaftlichem  Interessenkreis  ungleichartiges  Publikum
vor  sich.  Früher  fast  ausschließlich  auf  Jünger  der  rein  historischphilologisehen
  Fächer  angewiesen,  sieht  er,  seit  das  geographische
Studium  in  besagter  Richtung  freigegeben  ist,  wenigstens  in  Norddeutschland
  Mathematiker,  Physiker,  Biologen  in  steigender  Zahl  in
seinen  Hörsaal  ziehen.  Aber  auf  einen  gleichmäßigen  Vorstellungskreis
  und  eine  etwa  erwünschte  gleichmäßige  naturwissenschaftliche
Vorbildung  kann  er  im  allgemeinen  heute  weniger  als  vor  zwanzig
Jahren  rechnen.  Dic  komplexe  Natur  der  Erdkunde  als  ein  Band
zwischen  Näatur-  und  Geisteswissenschaften  spiegelt  sich  also  ganz  unabhängig
  von  den  etwaigen  methodischen  Auffassungen  des  akademischen
  I.chrers  der  Geographie  in  dem  Kreis  seiner  Schüler  wieder.
Er  muß,  wenn  er  Erfolge  haben  will,  diesem  Umstande  Rechnung
tragen.  Der  ungemeinc  Vorteil  gegenüber  früheren  Zeiten  ist,  daß
trotz  dieses  Verhältnisses  die  Erdkunde  nach  allen  Sciten  den  An-15”
