328  Liehrgebiet  und  I.ehrbetrieb.

spruch  zurückweisen  kann,  lediglich  als  Hilfswissenschaft  einer  anderen
Disziplin  Dienste  zu  leisten.  Wer  sich  bei  uns  ihrem  Studium  zuwendet,
  wird  aus  dem  Gesamtbetriebe  bald  erkennen,  daß  er  sie  um
ihrer  selbst  willen  zu  treiben  und  sich  in  die  vielseitige  Eigenart  ihrer
Lehren  einzuarbeiten  hat.

2.  Der  L.chrbetrieb.  Der  Kreis  der  geographischen  Vorlesungen
  hat  sich  im  Laufe  der  Jahrzehnte  erweitert:  ihre  Form  hat
sich  abgeklärt.  Eine  ausgesprochene  Bevorzugung  der  allgemeinen  Erdkunde,
  die  sich  im  Anfang  naturgemäfs  zeigte,  um  den  engen  Anschluß
  an  die  sich  mächtig  entwickelnden  Naturwissenschaften,
besonders  die  Geologie  und  Meteorologie,  zu  vollzichen,  ist  ciner
gleichmäßigeren  Verteilung  auf  allgemeine  und  spezielle  Erdkunde,
welche  letztere  bei  uns  den  Namen  Linderkunde  angenommen  hat,
gewichen.  Aber  auch  innerhalb  der  ersteren  läßt  sich  cine  mehr
systematische  Behandlung  der  einzelnen  Zweige,  als  sie  anfangs  üblich
war,  feststellen.  Da  die  weitaus  größte  Zahl  von  Hochschulen  nur
einen  Vertreter  des  Faches  hat,  so  suchen  viele  unter  diesen  im
Laufe  eines  Zyklus  von  4-  -B  Semestern  eine  Gesamtübersicht  über
das  Wissensgebiet  zu  geben.  Je  mehr  die  Hochschule  Provinzialuniversität
  mit  dauernd  daselbst  verweilender  Hörerschaft  ist,  um  so
länger  wird  der  Zyklus  ausgesponnen.  In  Halle  und  Straßburg
besteht  z.  B.  ein  solcher  von  zwei  Jahren,  in  Königsberg  von  vier.

Die  Behandlung  ist  eine  verschiedene,  je  nachden  die  Dozenten
die  allgemeine  Erdkunde  im  weiteren  oder  engeren  Sinne  fassen.
Ursprünglich  wurden  die  entsprechenden  Vorlesungen  nur  auf  den
Bereich  der  allgemeinen  physikalischen  Erdkunde  ausgedehnt,  und
noch  heute  beschränkt  sich  cin  Teil  der  Fachvertreter  auf  die  Morphologie
  der  festen  Erdoberfläche,  die  Ozeanographie  und  die  Klimatologie.
  Im  Durchschnitt  werden  diesen  Lehren  zwei  vierstündige
Kollegia  gewidmet.  Kinige  Geographen  schlossen  früher  grundsätzlich
die  mathematische  Geographie  und  auch  die  Geophysik  des  Erdballs
von  ihren  Vorlesungen  aus,  weil  sich  die  Erdkunde  nur  mit  der  Erdoberfläche
  zu  beschäftigen  habe.  \on  anderen  geschah  es  tatsächlich,
weil  ihnen  die  mathematischen  Grundlagen  dieses  Teiles  ferner  lagen.
Doch  ist  nach  dieser  Seite  eine  entschiedene  Wendung  in  den  letzten
Jahren  eingetreten.  Teils  haben  manche  Geographen  die  Notwendigkeit
  erkannt,  ihre  Zuhörer,  denen  vielfach  die  räumlichen  Anschauungen
  fehlen,  auch  in  den  altgepflegten  Zweig  der  mathematischen
Geographie,  wenn  auch  mehr  in  propädeutischer  Weise,  einzuführen;
teils  hat  das  allgemeine  Interesse  für  Geophysik  zugenonnmen.  Somit