Philosophische  Fakultät:  Geographie.  229

erfordern  ihre  Errungenschaften  auch  innerhalb  der  Erdkunde  größere
Berücksichtigung.

Geringe  Pflege  findet  bis  jetzt  in  diesen  Vorlesungen  die  Bioscographie.
  In  erster  Linie  wohl,  weil  die  Fülle  positiver  Kenntnisse
von  Pflanzen-  und  Tierformen,  die  zur  Belebung  und  Begründung  der
Darstellung  erforderlich  ist,  bei  der  Mehrzahl  der  geographischen
Zuhörer  nicht  vorausgesetzt  werden  kann.  Im  Anschluß  an  die
Klimatologie  wird  jedoch  die  Vegetation  der  Erde  eingehender  berücksichtigt.


Als  neuere  Errungenschaft  kann  andererseits  die  Einbeziehung
der  allgemeinen  Anthropogeographie  in  den  Vorlesungszyklus  einzelner
Hochschullehrer  angesehen  werden.  Durch  sie  knüpft  die  Unterweisung
  wieder  ein  engeres  Band  mit  der  Völkerkunde,  von  der  man
sich  stark  abgewendet  hätte,  aber  in  einer  wesentlich  weläuterten,
d.h.  den  geographischen  Gesichtspunkt  in  den  Vordergrund  stellenden
Art  und  Weise.  Der  eigentlichen  Anthropologie  und  Völkerkunde
den  Menschen  sei  es  nach  Seite  der  körperlichen  Eirrentümlichkeit,
sei  es  in  seinen  geselligen  Gruppierungen  und  der  vielseitigen  kulturellen
  Entwicklung  überlassend,  sucht  die  Anthropogeographie  Art
und  Ursachen  seiner  Verbreitung  über  die  Erdoberfläche  und  seinen
Kinfluß  auf  die  Umgestaltung  des  Erdbodens  zu  verfolgen.  Zur  Zeit
finden  auf  6  8  Universitäten  bereits  zwei-  bis  vierstündigre  Vorlesungen
über  diesen  methodisch  noch  wenig  durchgebildeten  Zweig  der  Erdkunde
  statt.  Und  als  neueste  Phase  muß  das  Auftauchen  vereinzelter
wirtschafts-geographischer  Vorlesungen  im  Anschluß  an  den  Gesamtrahmen
  gelten.  Wer  auf  diese  Weise  das  Gesamtgebiet  der  allgemeinen
Erdkunde  zu  behandeln  unternimmit,  pflegt  dem  Gegenstand  mindestens
eine  vierstündige  Vorlesung  während  drei  Semester  zu  widmen.

Was  die  länderkundlichen  Vorlesungen  betrifft,  so  ist  bemerkenswert,
  daß  die  emgehende  Darstellung  eines  kleineren  Gebietes  noch
zu  den  Seltenheiten  gehört.  Noch  ganz  vereinzelt  finden  sich  solche
über  die  heimatliche  Provinz  der  betreffenden  Hochschule.  Man  kann
auf  -——  meist  einstündige  --  Vorlesungen  über  Schlesien  (Breslau),
Baden  (Freiburg),  Bayern  (München,,  Hessen  (Gießen)  usw.  hinweisen.
In  Vordergrund  stehen  Vorlesungen  je  über  Deutschland  (Mitteleuropa)
  und  das  übrige  Europa.  Solche  werden  von  manchen  Dozenten
in  kleinere  zwei-  bis  dreistündige  Vorlesungen  während  mechrerer
Semester  zerlegt.  Finen  der  anderen  Erdteile  daneben  in  einer
Hauptvorlesung  eines  Semesters  abzuhandeln,  ist  das  Übliche,  .  wenn
auch  hier  und  da  auf  den  kulturgeographisch  besonders  interessanten