Philosophische  Fakultät:  Geographie.  231

Mchrfache  Anwendung  fand  das  in  historischen  oder  philologischen
  Seminaren  übliche  Verfahren  gemeinsamer  Lektüre  eines
geographischen  Klassikers  oder  schwieriger  Kapitel  aus  diesem  oder
jenem  Buche,  oder  auch  der  Besprechung  neuerer  Erscheinungen  der
geographischen  Literatur,  wobei  die  Teilnehmer  abwechselnd  das
Referat  übernehmen.  Trfahrungsmäßig  haben  davon  nur  wenige
schon  weiter  Fortgeschrittene  wirklichen  Nutzen.  Solche  Kolloquia
haben  daher  nur  zeitweise  an  einzelnen  Universitäten  geblüht.

Häufiger  wird  die  Selbsttätigkeit  in  der  Form  angeregt,  daß  in
den  Übungen  über  gegebene  oder  selbstgewählte  Themata  zusammenhängende
  Vorträge  der  Teilnehmer  gehalten  werden,  an  die  sich
dann  nach  Möglichkeit  Diskussionen  schließen.  Diese  letzteren  werden
um  so  belchrender  sein,  je  reifer  die  Seminaristen  und  je  mehr  sie
mit  dem  fraglichen  Thema  bekannt  sind.  Die  in  dieser  Form  in
Berlin  abgehaltenen  Kolloquia  sind  zu  einer  Berühmtheit  geworden,
da  sich  an  denselben  stets  auch  ältere,  längst  in  ihrer  Ausbildung
fertige  Geographen  beteiligen,  welche  an  den  kleineren  Universitäten
meist  fehlen.  Auf  Grund  eingehender  Studien  aufgebaut,  gestalten
sich  diese  Vorträge  oft  zu  druckfertigen  Abhandlungen.  Abgesehen
davon,  daß  in  denselben  wohl  besonderer  Wert  darauf  gelegt  wird,
daß  der  WVortragende  seine  Darstellung  möglichst  durch  Anschauungsmittel,
  eventuell  nach  eigenen  Entwürfen,  unterstützt,  haben
sie  ebensowenig  wie  die  erstgenannten  etwas  Spezifisches,  um  an
dieser  Stelle  länger  bei  ihnen  zu  verweilen.

Ein  Teil  der  geographischen  Professoren  hat  begonnen,  seine
Schüler  in  praktischen  Kursen  noch  enger  zur  Selbsttätigkeit  zu  erziehen.
  Ein  eigenartiges  Feld  bietet  hierzu  die  Kartographie.  Das
Verständnis  von  der  Entstehung,  dem  Entwurf  des  Kartenbildes  und
damit  seines  Wesens  versucht  man  in  besondern  „kartographischen
Übungen“  zu  erwecken.:  Anfangs  auf  ganz  wenige  Universitäten
beschränkt,  an  denen  mathematisch  vorgebildete  Professoren  dic
Geographic  lehrten,  hat  sich  dieser  Zweig  der  Unterweisung  in  den
letzten  Jahren,  ähnlich  wie  die  größere  Pflege  der  mathematischen
Geographic,  stark  verbreitet.  Mehrfach  überläßt  der  Fachvertreter
dieses  Feld  jüngern  Dozenten.  Es  handelt  sich  in  diesen  Übungen
um  Erwerbung  der  Fähigkeit,  die  wichtigsten  Kartenprojektionen  selbst
zu  entwerfen,  und  nachmals  die  Netze  mit  den  üblichen  kartographischen
  Zeichen  in  Situation  und  Geländezeichnung,  in  Farbe  und
Schrift  auszufüllen,  also  un  die  Elemente  für  selbständige  Herstellung
einer  sauberen  Kartenskizze,  sci  es  in  Hand-  oder  Wandkartenfornı.