232  TL.ehrgebiet  und  T,ehrbetrieb.

Für  Anfänger  weschicht  dies  in  gemeinsamen  Unterrichtsstunden,  in
denen  alle  Teilnehmer  stückweise  die  gleichen  Netze  entwerfen  oder
dieselben  Übungszeichnungen  verschiedener  Art  herstellen.  Ein
späterer  Kursus  versicht  die  gerciften  Schüler  je  mit  besonderen
Aufgaben  vom  einfachen  Übertragen  des  wichtigsten  Inhalts  einer
Originalkarte  —  z.  B.  allgemein  physikalischen  oder  statistischen
Inhalts  auf  eine  Unnrifkarte  großen  Maßstabes  bis  zur  Konstruktion
  eines  Itinerars  und  der  kritischen  Verarbeitung  verschiedenen
literarischen  oder  kartuographischen  Materials  in  Gestalt  ciner  Karte.
Selbstverständlich  fehlt  es  zur  Ausbildung  von  fertigen  Kartographen,
die  auch  nirgends  beabsichtigt  wird,  an  Zeit.

An  jene  Übungen  reihen  sich  solche,  die  beginnen,  einzelnen
ecographischen  Instituten  den  Charakter  von  natunwissenschaftlichen
laboratorien  zu  verleihen,  wo  jeder  seinen  festen  Arbeitsplatz  hat
und  die  nötigen  Utensilien  erhält,  während  UÜbungsinstrumente  in
größerer  Zahl  zur  Verfügung  stehen.  In  erster  Linie  stehen  hierbei
alle  kartometrischen  Aufgaben  mittels  Kurvimetern  und  Planimetern,
  bei  denen  eine  kleine  Gruppe  von  Teilnehmern  zur  gegenseitigen
  Kontrolle  sich  vereinigt,  ferner  die  Ilerstellung  von  Reliefs
und  Modellen,  von  Proflen  und  Demonstrationstafeln  usw.  usw.

Die  Anleitung  zu  selbständigen  wissenschaftlichen
‚Arbeiten  wird  gleichfalls  an  manchen  Universitäten  auf  dem  Wege
solcher  praktischen  Übungen  gegeben,  indem  den  Teilnehmern  die
l’eststellung  einer  cinzelnen  wissenschaftlichen  Tatsache  auf  Grund
eingehenden  Quellenstudiums  in  steigendem  Umfang  und  von  zunehmender
  Schwierigkeit  auferlegt  wird.  Der  Hauptnutzen  liegt  dann
in  der  schriftlichen  Zusammenfassung  der  Resultate,  welche  der  Dozent
eingehend  rezensiert  und  mit  dem  Bearbeiter  bespricht.  Daraus
entwickeln  sich  dann  größere  Arbeiten,  die  in  der  Form  von  Vorträgen,
  von  Prüfungssarbeiten  oder  Doktordissertationen  ihren  Abschluß
finden  und  in  letzterem  Falle  auch  der  Prüfung  durch  die  Öffentlichkeit
unterbreitet  werden.  Bereits  ist  die  Zahl  tüchtiger,  der  Wissenschaft
zum  Vorteil  gereichender  Arbeiten,  die  aus  den  verschiedenen
gcographischen  Universitätsinstituten  jährlich  hervorgehen,  eine  beträchtliche.
  Und  Deutschland  verfügt  heute  schon  über  cinen  erklecklichen
  Stab  von  greographischen  Mitarbeitern  unter  den  Fachlehrern
der  Erdkunde  an  den  höheren  Schulen.

Noch  ist  einer  besonderen  Art  der  Unterweisung  zu  gedenken,
die  allerdings  nur  an  den  wenigen  Universitäten  gepflegt  wird,  an
denen  die  geographischen  Fachvertreter  praktische  Erfahrung  im