Philosophische  Fakultät:  Geographie.  233

geographischen  Unterricht  an  höheren  Schulen  in  ihr  neues  Amt
mitbrachten.  Mit  Rücksicht  auf  die  künftige  Verwendung  der  großen
Mehrzahl  der  geographischen  Hörer  im  Schuldienst,  halten  einzelne
Hochschullchrer  kleinere  Vorlesungen  über  die  Methodik  der  E.rdkunde,
  speziell  des  geographischen  Unterrichts  und  scine
Hilfsmittel.  Oder  sie  lassen  die  älteren  Kandidaten  in  den  Übungen
Proben  für  die  praktische  Behandlung  eines  Kapitels  aus  dem  Unterrichtsstoffe
  der  Schulen  vorführen,  die  dann  kritisiert  werden
(Halle,  Göttingen,  Münster);  oder  auch  Demonstrationen  an  einzelnen
l.chrapparaten  der  mathematischen  Geographie  wie  Tellurien  und
l.unarien  bilden  den  Gegrenstand  dieser  schulgeographischen  Übungen.
Insbesondere  wird  in  denselben  auch  die  Handhabung  des  Kartenzeichnens
  in  Schulen  erörtert  und  die  Fertigkeit  im  Entwurf  von
Kartenskizzen  an  der  Wandtafel  geübt.

Beobachtungen  im  Freien  und  Exkursionen.  Als  einen
wesentlichen  Fortschritt  darf  man  es  anschen,  daß  die  Verlegung  einzelner
  Beobachtungen  ins  Freie  im  Rahmen  der  geographischen
Übungen  an  Ausdehnung  gewinnt.  Die  beiden  Gesichtspunkte,  nach
denen  der  künftige  Fachlehrer  der  Geographie  seine  Schüler  möglichst
selbst  zur  Beobachtung  der  ihn  umgebenden  Landschaft  anhalten  soll,
lassen  sich  im  Anfangsstudium  gut  mit  der  Anleitung  zu  Beobachtungen
  und  zu  topographischen  Aufnahmen  auf  Forschungsreisen
vereinigen,  Sind  erst  die  Grundlagen  gelegt,  so  können  sich  für  die
gereifteren  jungen  —  namentlich  die  mathematisch  besser  vorgebildeten
-—-  Leute  schwierigere  Aufgaben  nach  strengeren  Methoden  leicht  anschließen.
  Das  l.etztere  kann  dann  Spezialisten,  wie  Astronomen  und
Geodäten,  überlassen  werden.  Die  ganze  Fülle  der  Orientierung  auf
dem  Horizont  nach  Winkel-  und  Entfernungssschätzungen  oder  mittels
Messungen  mit  einfachsten  Instrumenten,  die  Routenaufnahme  mit
Kompaß  und  Schrittzählung  oder  Uhr,  der  Entwurf  von  Panoramen,
die  Anstellung  von  Tlöhenmessungen  kommt  hierbei  in  Betracht.  Das
Lesen  der  topographischen  Karte  im  Gelände  gehört  zu  den  ersten
Hlementen.  Daran  reihen  sich  die  zahlreichen  Beobachtungen  über
die  Bodenformen,  die  Wirkungen  der  Tektonik  oder  der  Erosion  und
Abtragung  durch  Eis,  fließendes  Wasser  und  Luft  usw.  Auf  diesem
Gebiet  berühren  sich  die  Interessen  des  Geographen  mit  denen  des
Geologen,  weshalb  manche  Vertreter  der  Erdkunde  sich  mit  ihren
Zuhörern  den  Exkursionen  ihrer  geologischen  Kollegen  gelegentlich
anschließen,  wenn  auch  die  während  des  Weges  anzustellenden  geographischen
  (topographischen)  Beobachtungen  häufig  die  rasche  Er-