240  Lehrgebiet  und  Lehrbetrieb.

zu  annähernder  Vollständigkeit  ergänzt  werden.  An  Seekarten
dürfte  Berlin  mit  der  Zeit  den  größten  Bestand  besitzen.  Ganz
systematisch  cine  solche  Sammlung  zu  ergänzen,  würde  große  Mittel
erfordern.  Diese  müßten  mindestens  so  bemessen  sein,  daß  man
bei  wissenschaftlichen  Arbeiten  einzelner  Hörer  das  jeweilig  erforderliche
  Material  beschaffen  kann.

Überblickt  man  das,  was  heute  an  Unterrichts-  oder  Sammlungsmaterial
  wenigstens  in  den  älteren  geographischen  Universitätsinstituten
aufgespeichert  ist,  so  kann  man  trotz  fühlbarer  Lücken  nicht  wohl
anders  urteilen,  als  daß  dem  allseitigen  Studium  der  Erdkunde  in
erfreulicher  Weise  durch  das,  was  die  Studierenden  heute  vorfinden,
Vorschub  geleistet  wird.

5.  llistorische  Geographie.  Die  Pilege  der  historischen  Geographie  ist
in  Deutschland  erst  jüngst  in  ein  neues  Stadium  getreten.  Zwar  bestand  in  Berlin  eine
eigene  Professur  dafür  schon  seit  1889.  Als  v.  Richthofen  damals  nach  Berlin  berufen
ward,  trat  formell  eine  Teilung  der  Aufgaben  zwischen  ihm  und  Heinrich  Kiepert  ein,
der  schon  nach  U.  Ritters  Tode  den  l.ehrstuhl  des  letzteren  inne  hatte.  Kiepert  galt
seitdem  als  Vertreter  der  historischen,  v.  Richthofen  als  der  der  physischen  Erdkunde.
Beide  hatten  getrennte  Fonds  und  Einrichtungen.  Im  Jahre  1900  ward  nach  Kieperts
“Tode  die  Trennung  noch  schärfer  durchgeführt,  Mit  großen  Mitteln  stattete  man  durch  Beschaflung
  einer  Bibliothek  und  schöner  Arbeitsräume  ein  „Sentinar  für  historische  Geographic“
  aus.  Es  zerfällt  in  drei  Abteilungen:  für  alte  Geographie,  historische  Geographie
des  Mittelalters  und  der  Neuzeit,  und  für  orientalische  (rcographie.  Die  Oberleitung  ist
mit  dem  Ördinariat  für  alte  Geographie  verknüpft.  Ein  Assistent  steht  dem  Leiter  zur
Seite.  Die  Übungen  der  beiden  anderen  Abteilungen  werden  von  Privatdozenten  abgehalten.
  In  ähnlicher  Weise  besteht  in  Leipzig  seit  1899  ein  „Institut  für  historische  Geographie“
  im  engen  Anschluß  an  das  dortige  historische  Seminar,  dessen  Direktor  neben
deın  Professor  der  hist.  Geographie  Mitdirektor  des  neuen  Instituts  ist.  Die  räumliche  Nachbarschaft
  gestattet  die  Mitbenutzung  der  reichhaltigen  Bibliothek  des  historischen  Seminarı.
Der  ersten  Abteilung  ist  die  Pflege  der  alten  Geographie  unter  leitung  des  Professors
der  historischen  Geographie  zugewiesen,  die  der  mittelnlterlichen  und  neuzeitlichen  historischen
  Erdkunde  untersteht  dem  Professor  der  neueren  Geschichte.  Die  Übungen  leitet
ein  Assistent.  In  Verbindung  mit  dem  Institut  besteht  die  auf  Anregung  des  Gesamtvereins
  deutscher  Geschichts-  und  Altertumsvereine  begründete  „Zentralstelle  für  Grundkarten“.
  Es  sind  dies  Landschafiskarten  im  Maßstab  1:  100000,  welche  außer  dem  Flußnetz
  nur  Namen  und  Gemarkungsgrenzen  der  Ortschaften  enthalten;  ihre  Herstellung
wurde  zuerst  von  dem  Tübinger  Rechtsgelehrten  Fr.  Thudichum  angeregt.

Die  Übungen  in  den  historisch-geographischen  Instituten  gleichen  im  ganzen  denjenigen
  in  historischen  Seminaren.  Tektüre  und  Interpretation  geographischer  Schriftsteller
  wird  vorwiegend  getrieben;  die  Eigenart  liegt  in  der  geographischen  Auslegung
auch  des  historischen  Quellenmaterials.  Es  ist  keine  Frage,  daß  von  diesen  Ausgangspunkten
  aus  für  ein  lange  brachliegendes  Feld  neue  Mitarbeiter  werden  gewonnen  werden,
wenn  auch  selbstredend  die  Erdkunde  dabei  vorzugsweise  1lilfswissenschaft  der  Geschichte
  bezw.  Kulturgeschichte  bleiben  wird,

6.  Meereskunde  und  Geophysik.  Nach  der  naturwissenschaftlichen  Seite
sind  im  Deutschen  Reiche  bis  jetzt  zwei  neue  Institute  in  unmittelbare  Verbindung  mit
der  Erdkunde  gebracht,  inden:  sie  der  Leitung  von  Professoren  der  Geugraphie  unter-