Philosophische  Fakultät:  Geogmphie.  2344

stellt  sind,  das  1899  in  Berlin  errichtete  Institut  für  Meeresknnde  und  die  Erdbebenwarte
in  Straßburg.

Das  erstere  soll  die  „Meereskunde  einerseits  in  geographischer  und  naturwissenschaftlicher,
  anderseits  in  historisch-volkswirtschaftlicher  Hinsicht  in  Vorlesungen,  Übungen
nnd  Arbeiten  fördern“,  zugleich  aber  Verständnis  für  das  Maß  und  die  praktische  Bedeutung
  des  Seewesens  für  Deutschland  in  weiten  Kreisen  verbreiten.  Außer  den  ertorderlichen
  Anschauungsmitteln,  einer  wnfassenden  Bibliothek  und  Kartensammlung  soll  dem
/weck  cin  eigenes  Museum  für  Meereskunde  dienen,  das  nicht  nur  das  gesamte  lustrumentarium,
  sondern  auch  die  Aussutzung  des  Meeres  durch  die  Schiffahrt  und  den  Hafenbau
  usw.  veranschaulicht.  Das  Museum  nimmt  die  beiden  unteren  Stockwerke  desselben
Gebäudes  ein,  in  dem  sich  oben  das  Institut  für  Meereskunde  und  das  geographische  behnden,
  Für  ersteres  ist  duber  ein  Stab  von  Benmten  in  zwei  Abteilungvorstehen:,
mehreren  Kustoden,  Assistenten  usw.  angestell.  Das  Museum  ist  erst  im  Entstchen,
doch  sind  bereits  eine  große  Reilıe  von  Apparaten,  Schiflsinodellen,  Abbildungen  usw.
aus  den  entsprechenden  seemännischen  Anstalten  in  Kiel,  Hamburg  (Scewarte)  usw.  zur
Füllung  des  Museums  nach  Berlin  überführt.  Im  Winter  werden  Vorlesungszyklen  für
weitere  Kreise  von  einer  großen  Zahl  von  Gelehrten  aus  Berlin  und  aus  der  Ferne  abgehalten,
  die  sich  auf  alle  Zweige  der  Meereskunde  im  weitesten  Sinne  des  Wortes  erstrecken.


Die  Straßburger  Erdbebeuwärte,  seit  kurzem  zur  Kaiserlichen  Zentralstation  für
Erdbebenforschung  in  Deutschland  erhoben,  ist  dort  1900  auf  Anregung  des  Vertreters
der  Geographie  größtenteils  durch  Reichsmittel  errichtet  und  steht  unter  dessen  Leitung,
jedoch  ohne  organische  Angliederung  an  das  Straßburger  geographische  Seminar.  Für
den  Fall,  dad  der  Plan,  eine  internationale  seisinologische  Assoziation  zu  errichten,  gelingt
  —  die  vorbereitenden  Beratungen  fanden  in  Straßburg  im  Jahre  1901  und  1903  statt
—,  ist  die  dortige  Station  auch  zur  Zeittral-  und  Sammelstelle  für  internationale  Erdlbebenbeobachtungen
  auserschen.  L.ehrinstitut  ist  die  Station  zur  Zeit  nicht.

Auch  an  einigen  andern  Universitäten  hat  man  jüngst  der  Geophysik  eigene
Arbeitsstätten  bereitet,  aber  von  dem  Gedanken  ausgehend,  daß  es  sich  in  erster  linie
um  einen  Zweig  der  angewandten  höheren  Physik  handelt,  hat  man  sie  unter  Leitung
gewiegtier  Physiker  gestellt.  Die  großartigen  Königlichen  Observatorien  für  Astrophysik,
Meteorologie  und  Geodäsie  in  Potsdam  stehen  außerhalb  des  Rahmens  der  Hochschulen.
Ein  eigenes  geophysikalisches  Institut  ist  in  Göttingen  1901  errichtet  und  mit  umfangreichen
  eigenen  Baulichkeiten  ausgestattet.  Dort  werden  bis  jetzt  vorwiegend  seismomeirische,
  erdinagnetische  und  luftelektrische  Untersuchungen  getrieben.  Doch  diese  Kinrichtungen
  fallen  damit  bereits  außerhalb  der  Grenzen  dieses  Berichtes  und  finden  in  dem
über  den  Betrieb  der  Physik  (s.  S.  243)  Erwähnung.

7.  Anthropologie  und  Ethnographie  Obwohl  gelegentlich  kleine
Vorlesungen  über  anthropologische  Fragen  schon  seit  längerer  Zeit  an  deutschen  Universitäten
  gehalten  werden  —  und  zwar  fast  ausschließlich  von  Anatomen  —,  bestehen  zur
Zeit  nur  einige  eigene  I.chrsrühle  für  diese  Wissenschaft.  Am  längsten  ist  München  damit
  ausgestattet,  und  zwar  mit  einem  Ordinariat,  dem  auch  ein  eigenes  Institut  und  cine
ausgedehnte  anthropologisch  -  prühistorische  Sammhrg  untersteht.  Die  Mehrzahl  der
kleinen  Schädelsammlungen,  wie  auch  die  berühmte  Blumenbachsche  in  Göttingen,  sind
Bestandteile  der  anatomischen  Museen.

In  Preußen  hat  man  seit  kurzem  zwei  außerordentlichen  Professoren  einen  J.ehrauftrag
  für  Anthropologie  (neben  FEihnogmphie)  gegeben,  in  Berlin  iin  Bereich  der  philosophischen,
  in  Breslau  in  dem  der  medizinischen  Fakultät,  Physische  Anthropologie  wird
sonit  jetzt  in  zusammenhängenden  Vorlesungen  an  drei  lHochschulen  Deutschlands  behandelt,
  kraniometrische  oder  allgemein  anthropumerrische  Übungen  außerdem  von  ver:
schiedenen  Mitgliedern  der  medizinischen  Fakultäten  angestellt.

Das  Unterrichiswesen  Im  Deutschen  Reich.  I,  16