&gt;14  J.ehrgebiet  und  Lehrbetrieb.

Richtung  ist  deutsche  Arbeit  in  hervorragender  Weise  beteilist.  Bei
den  knappen  Raume,  der  uns  zur  Verfügung  steht,  werden  wir  von
vornherein  darauf  verzichten  müssen,  den  Gegenstand  nach  seiner
Vielseitigkeit  darzulegen;  wir  können  einen  Stoff  nicht  auf  wenige
Seiten  zusammendrängen,  den  die  Berichte  des  190  abgrehaltenen
internationalen  Pariser  physikalischen  Kongresses  in  4  Bänden  behandelt
haben.  Wir  sind  vielmehr  von  vornherein  darauf  angewiesen,  nur
einiges  Wenige,  besonders  Charakteristische  hervorzuheben.  \Velche
theoretischen  Forschungen  bei  einer  solchen  Betrachtungsweise  vor
anderen  zu  bevorzugen  sind,  dürfte  keinem  Zweifel  unterliegen:  es
sind  diejenigen  Entdeckungen  und  Überlegungen,  welche  eine  tiefschende
  Umwandlung  unserer  Ideen  über  die  Rolle  des  Lichtäthers
und  die  Beziehungen  zwischen  Materie  und  Äther  zur  Folge
schabt  haben.  Von  ihnen  mag  hier  zunächst  die  Rede  sein;  auf  die
mehr  praktischen  Fragen  kommen  wir  später  zurück.

Hin  kurzer  historischer  Rückblick  wird  uns  am  raschesten  orientieren.
  Wir  werden  voranstellen  dürfen,  dafs  die  ganze  Bewegung,  über
die  zu  berichten  ist,  immer  noch  als  Nachwirkung  der  unvergleichlichen
  Tätigkeit  des  großen  englischen  Forschers  Faraday  anzuschen
ist.  Wir  werden  dann,  um  uns  zu  den  Leistungen  speziell  der  deutschen
  Physiker  zu  wenden,  in  erster  Linie  Wilhelm  Webers  maßsebende
  Arbeiten  auf  dem  Gebicte  der  Elektrodynamik  nennen,  ferner
aber  Hittorfs  ausgezeichneteUntersuchungen.  AnFaraday  anknüpfend,
hat  derselbe  zunächst  die  Gesetze  der  Elektrolyse  in  neuer  Bestinimtheit
  herausgearbeitet,  dann  aber  die  elektrischen  Entladungen  in  luftverdünnten
  Räumen  als  erster  genauen  Studien  unterworfen  und  insbesondere
  die  Haupteigenschaften  der  heute  sogenannten  Kathodenstrahlen
  entdeckt.  Zwanzig  Jahre  später,  kurz  vor  Beginn  unserer
Berichtsperiode,  folgen  die  balinbrechenden  Untersuchungen  von
llertz  (1888).  \Vas  Faraday  und  Maxwell  vorausschauend  erkannt
hatten:  daß  der  raumerfüllende  Äther  der  Träger  der  elektromagnetischen
  Fernwirkungen  sei  und  daß  die  Lichtwellen  nur  einen  besonderen
  Fall  durch  den  Äther  sich  fortpflanzender  elektromagnetischer
Störungen  vorstellen,  das  wurde  durch  die  Ilertzschen  Versuche,  sozusagen,
  zur  handgreiflichen  Gewitßsheit.  Freilich  schienen  die  elektrischen
  Wellen  und  die  optischen  Wellen  zunächst  noch  durch  einen
Unterschied  der  Größenordnung  getrennt.  Ilier  haben  zahlreiche  Arbeiten
  des  verflossenen  Jahrzehnts  erfolgreich  eingesetzt,  sodaß  der
Zwischenraum  zur  Zeit  beinahe  überbrückt  ist.  \on  deutscher  Seite
haben  hierzu  die  interessanten  Forschungen  von  Rubens  (Berlin,  über