Philosophische  Fakultät:  Mathematik,  Tliysik,  Astronomie.  &gt;45

die  infraroten  Strahlen  großer  Wellenlänge  wohl  am  meisten  beige:
tragen.

Aber  die  Vorgänge  im  reinen  Äther  sind,  sozusagen,  nur  die
eine  Seite  der  Sache.  Die  andere  betrifft  die  Verknüpfung  des
Äthers  mit  der  Materie,  wobei  sowohl  die  Vorgänge  bei  der  elektrostatischen
  Ladung  und  der  elektrischen  L.eitung  ponderabler  Körper
erklärt  werden  müssen,  als  die  Eniission  elektrischer  Wellen,  speziell
der  Lichtwellen.  Helmholtz  hatte  schon  1881  in  cinem  zu  Ehren
Faradays  gehaltenen  Vortrage  hervorgehoben,  daß  die  L.eitung  der
Hlektrizität  in  Flektrolyten  nur  durch  die  Annahme  einer  atomistischen
  Struktur  der  an  die  Körperteilchen  gehefteten  Elektrizität
verstanden  werden  kann:  die  Elektrolyse  geht  so  vor  sich,  als  wenn
die  wandernden  Atome  der  ponderablen  Materie  (die  Ionen)  jeder
nit  einem  elektrischen  Atom  (cinen  HKlektron,  wie  man
heute  sagt),  oder  doch  einer  bestimmten  Zahl  solcher  Atome,
behaftet  wären.  Diese  Grundvorstellung  wurde  dann  von  der
physikalischen  Chemie  aufezenommen  und  weiter  entwickelt.  Von
seiten  der  Physiker  begann  man,  in  Verallgemeinerung  des  Ansatzes,
die  elektrische  L.eitung  in  Gasen  und  Metallen  als  cine  Bewegung
nicht  nur  von  Ionen,  sondern  auch  von  freien  Flektronen  anzuschen.
Diese  Annahme,  welche  gewissermaßen  cine  Rückkehr  zu  den
Wilhelm  Weberschen  Anschauungen  ist,  steht  trotzdem  mit  der  für
den  freien  Äther  geltenden  Maxwellschen  Theorie  nicht  in  Widerspruch,
  sofern  man  noch  hinzufügt,  daß  die  Flektronen  nur  durch
Vermittlung  des  Äthers  als  in  diesem  bewegte  elektrische  Ladungen
aufeinander  wirken”).  Sie  gestattet  zugleich,  die  Lichtemission  (und
Absorption)  ponderabler  Körper  in  plausibler  Weise  zu  deuten,
nämlich  durch  Schwingungen  der  in  den  Körpern  enthaltenen
Elektronen.  Diese  ganze  Auffassungsweise  (die  sogenannte  KElektronentheorie)
  ist  allmählich  von  verschiedenen  Seiten  herangebracht
worden;  es  ist  unmöglich,  einen  einzelnen  Namen  zu  nennen.  Indem
sie  eine  einheitliche  Auffassung  des  Gesamtgebietes  elektrischer  und
optischer  Vorgänge  ermöglicht,  hat  sie  von  vornherein  etwas  Bestechendes.
  Trotzdem  würde  sie  kaum  die  allgemeine  Geltung
erlangt  haben,  deren  sie  sich  heute  erfreut,  wäre  nicht  eine  Reihe

*)  Ref.  fügt  hier  gem  em,  daß  ihm  W.  Weber  1869  oder  1871  gelegentlich
erläuterte,  nach  Gaußscher  Anschauung  stehe  hinter  der  gewöhnlichen  Mechanik,  die  von
den  auf  die  Molckitlle  wirkenden  Kraften  handele,  eine  höhere  Mechanik,  nämlich  die
l.chre  von  der  Fortpflanzung  der  Krafte  im  Raume.  Die  Maxwellsche  Theorie

in  modemer  Interpretation  kann  oflenbar  als  Ausgestaltung  dieser  Gaußschen  Auffassung
angesehen  werden.