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der  Berichtsperiode  dem  phänomenologischen  Ansatz  besondere
Sympathie  entgegengebracht.  Kin  glänzend  geschriebenes  Beispiel
  geben  Hertz  eigene  theoretische  Entwicklungen  zur  Elektrodynamik
  11890.  Auch  W.  Voigt  in  seimem  umfassenden
„Kumpendium  der  mathematischen  Physik“  (2  Bände,  1895/96),  wie
in  seinen  zahlreichen  sonstigen  Arbeiten,  bevorzugt  die  phänomenologische
  Methode,  welche  unter  seinen  Händen  vielfach  die  Resultate
noch  nicht  angestellter  Versuche  vorauszusagen  vermochte.  Aber  in
dem  Maße,  als  die  Betrachtung  der  Ionen  und  Elektronen  für  die  allgemeine
  ‚Auffassung  wesentlicher  wird,  entsteht  cin  Umschwung.
Jetzt  ist  es  wieder  die  Moleckulartheoric,  welche,  natürlich  in  zeitsemäßer
  Umgestaltung,  in  den  Vordergrund  rückt;  die  Differentialgleichungen
  der  physikalischen  Probleme  erscheinen  nur  mehr  als
abgekürzte  Formen  von  Differenzengleichungen.  IT  A.  Lorentz
Studien  über  die  HKlektrodynamik  bewegter  Körper  11892)  erweisen
sich  in  dieser  Hlinsicht  als  bahnbrechend;  ihnen  reihen  sich  in
Deutschland  zunächst  die  ursprünglich  (1894)  unabhängig  von  Lorentz
unternommenen  theoretischen  Arbeiten  von  Wicechert  an.  Zu
Wiecherts  zusammenfassender  Schrift  „Über  die  Grundlagen  der
Klektrodynamik“  (1899)  wird  übrigens  binnen  kurzem  eine  Gesamtdarstellung
  der  Theorie  von  IH.  A.  Lorentz  selbst  im  fünften  Bande
der  mathematischen  Enzyklopädie  treten.  (Näheres  betreffend  die
Enzyklopädie  siche  unter  Mathematik.)  Im  übrigen  partizipieren
Physiker  aller  Nationen  an  dem  Ausbau  der  in  Betracht  kommenden
Ansätze;  ich  nenne  von  Fngländern  insbesondere  Ilcaviside,
lL.armor,  J.J.  Thomson,  von  Franzosen  Poincare.

Vom  allgemeinen  Gesichtspunkte  aus  interessant  ist  insbesondere
die  Wandlung,  welche  die  Behandlungsweise  und  die  Wertschätzung
der  theoretischen  Mechanik  im  Kreise  der  Physiker  unter  der  Kontaktwirkung
  der  geschilderten  Entwicklungen  erleidet.  Die  traditionelle
  (wohl  auf  L.aplace  zurückgehende)  Meinung  ist,  daß  die  Mechanik
  die  Grundlage  alles  physikalischen  Geschehens  sei;  sie  nimmt
überdies  an,  daß  die  letzten  Bestandteile  der  Materie  streng  punktförmig
  sind  und  dementsprechend  per  distans  aufeinander  wirken.
In  dieser  starren  Form  wird  die  klassische  Doktrin  während  der
Berichtsperiode  eigentlich  nur  noch  von  Boltzmann  festgehalten,  der
übrigens  eben  nun  seine  Ableitung  des  zweiten  Wärmesatzes  aus  den
Voraussetzungen  der  kinctischen  Gastheorie  zur  Vollendung  bringt.
Mehr  Sympathicen  findet  die  auf  Lord  Kelvin  zurückgehende  Tendenz,
die  Welt  aus  kontinuierlich  ausgedehnten  Körpern  aufzubauen,  die  nur