Philosophische  Fakultät:  Mathematik,  Physik,  Astronomie.  355

baues  rühmend  gedacht  werden.  Neue  Aufgaben  wurden  derselben
insbesondere  durch  das  Eintreten  der  Photographie  in  die  astronomische
Praxis  gestellt.  Repsold  (Hamburg)  hat  die  konstruktive  Ausbildung
der  photographischen  Refractoren  und  Meßapparate  in  derselben
Vollendung  geleistet,  die  er  bei  den  Meßinstrumenten  der  älteren
Astronomie  (Heliometer,  Meridiankreis)  erreicht  hatte.  Die  optische
Seite  findet  durch  hervorragende  Firmen,  wie  Schott  und  Zeiß  (Jena)
und  Steinheil  (München),  vermöge  konsequenter  Ausbildung  der
mathematischen  und  physikalischen  Methoden  nach  den  verschiedensten
Seiten  hin  ebenfalls  glänzende  Förderung.

Ein  großer  Teil  der  Tätigkeit  an  unseren  Sternwarten  wird
selbstverständlich  nach  wie  vor  durch  die  systematischen  Arbeiten
absorbiert.  Von  den  grofsen  Untersuchungen,  die  in  dieser  Hinsicht
im  vorigen  Bericht  genannt  wurden,  ist  jetzt  das  Zonenunternehmen
der  astronomischen  Gesellschaft  für  die  Sterne  der  nördlichen  Halbkugel
  zur  vollen  Durchführung  gelangt.  Dafür  sind  andere  weitausschauende
  Arbeiten  begonnen,  so  die  Zusammenstellung  aller  vorhandenen
  Fixsternbeobachtungen  zu  einer  „Geschichte  des  Fixsternhimmels“
  (Auwers  und  Ristenpart,  Berlin)  und  eine  photometrische
Durchmusterung  der  Sterne  (Müller  und  Kempf,  Potsdam),  Wir
xcdenken  ferner  gleich  hier  des  durch  Förster  und  Helmert
eingerichteten  internationalen  Beobachtungssystems  für  die  Polschwankungen
  der  Erde,  dessen  Resultate  vom  Potsdamer  geodätischen
Institute  alljährlich  bearbeitet  werden;  der  entscheidende  Nachweis
für  die  Existenz  dieser  Schwankungen  ist  kurz  vor  Beginn  unserer
Berichtsperiode  durch  Küstner  (damals  Berlin,  jetzt  Bonn)  erbracht
worden  (1884/85  bezw.  1888).

Das  große  Publikum  wird  sein  Interesse  naturgemäß  immer  mehr
glücklichen  Einzelleistungen  der  astronomischen  Beobachtungskunst
zuwenden.  In  dieser  Hinsicht  müssen  wir  vor  allem  auf  die  Ergebnisse
der  photographischen  Methode  hinweisen,  die  unser  Weltbild  immer
mehr  erweitern,  u.a.  die  zahlreichen  Planeten-  und  Nebel-Entdeckungen
von  Max  Wolf  (Heidelberg).  Die  spektroskopische  Beobachtung
hat  als  hervorragendes  Resultat  die  erste  genaue  Festlegung  von
Fixsternbewegungen  im  Visionsradius  durch  Vogel  (Potsdam)  zu  verzeichnen
  (1888);  das  Potsdamer  astrophysikalische  Institut  hat  seitdem
  einen  großen  Teil  seiner  Tätigkeit  diesem  Problem  erfolgreich
gewidmet.  Von  besonderer  Bedeutung  für  die  Erkenntnis  der
Dimensionen  unseres  Sonnensystems  (Bestimmung  der  Sonnenparallaxe)
  ist  die  Auffindung  des  Eros  durch  Witt  gewesen  (Urania,