Philosophische  Fakultät:  Mathematik,  Physik,  Astronomie.  257

unmöglich  besprochen  werden.  Eine  analoge  Bemerkung  gilt  für
die  Abgrenzung  des  nun  zu  greebenden  Berichts  über  die  mehr
physikalischen  Teile  der  Geonomie:  wir  greifen  nur  einzelne  Punkte
heraus,  die  durch  die  Fortentwicklung  der  Wissenschaft  besonders  in
den  Vordergrund  gerückt  scheinen.  Auch  so  wird  unsere  Darstellung
hinreichend  erkennen  lassen,  daß  Deutschland  an  den  geophy'sikalischen
Untersuchungen  neuerdings  herv  ‚rragend  beteiligt  ist.

Wir  sprechen  zunächst  von  den  Erdbebenbeobachtungen.
Ursprünglich  in  den  erdbebenreichen  Ländern,  in  Japan  und  Italien,
entstanden,  wurden  dieselben  zuerst  von  englischer  Seite  rund  um  die
Erde  installiert.  Deutschland  ist  erst  im  letzten  Jahrzehnt  in  den
Kreis  dieser  Bestrebungen  eingetreten  und  hat  jetzt,  in  gewissem
Sinne,  die  Führung  ergriffen.  Einmal,  was  die  Konstruktion  der
Registrierinstrumente  angeht:  auf  das  Horizontalpendel  des  verstorbenen
v.  Rebeur-Paschwitz  (1890  ff.)  folgten  die  systematisch  durchgearbeiteten
  Apparate  von  Wicchert  (von  1899  an),  welche  alle  Einzelheiten
  der  Bodenbewegung  festzuhalten  gestatten.  Dann  aber  in
Richtung  auf  Sammlung  des  Gesamtmaterials:  cben  nun  ist  Aussicht,
daß  cs  den  unablässigen  Bemühungen  von  Gerland  (Straßburg)  gelingen
  wird,  eine  umfassende  seismische  Assoziation  der  Staaten  zustande
  zu  bringen.  Man  hofft,  durch  die  von  allen  Seiten  zusammenströmenden
  Beobachtungen  und  Arbeiten  immer  mehr  eine  zuverlässige
Kenntnis  von  der  Konstitution  und  dem  noch  andauernden  Werdeprozeß
  der  Erdrinde  zu  erhalten.  Innerhalb  Deutschlands  wird  an
Stelle  der  verschiedenen  bisherigen  lokalen  Organisationen  ein
systematisches  Netz  von  Beobachtungsstationen  eingerichtet  werden.

Wir  geben  ferner  einige  Bemerkungen  über  Metcorologie.
Die  Bemühungen  der  Forscher  sind  je  länger  je  mehr  darauf  gerichtet,
nicht  nur  am  Boden  des  Luftmeeres  zu  beobachten,  sondern  auch  in
der  Höhe:  statt  des  bisherigen  zweidimensionalen  Beobachtungssystems
ein  dreidimensionales  einzurichten.  Bergobservatorien,  Drachenbeobachtungen
  und  Ballonanstiege  müssen  gleichmäßig  diesem  Zwecke
dienen.  Hier  ist  vor  allen  Dingen  internationale  Kooperation  nötig.
Der  Vorsitz  der  internationalen  Kommission  für  wissenschaftliche  Luftschiffahrt
  findet  sich  in  Straßburg  (Hergesell).  Von  deutscher  Seite
wurde  insbesondere  an  der  Ausarbeitung  der  physikalischen  Methoden
und  ihrer  praktischen  Anwendung  Anteil  genommen  (Affmann,  Berlin).
Unter  den  vielen  Mittelpunkten  steht  die  mit  großen  Mitteln  arbeitende
a@ronautische  Abteilung  des  unter  Leitung  v.  Bezolds  stehenden
preußischen  meteorologischen  Zentralinstituts  voran  (Abteilungsvorstand

Das  Unterrich  im  Deutschen  Reich.  1.  17