Philosophische  Fakultät:  Mathematik,  Physik,  Asironomie.  361

den  dieser  1884  mit  seinen  Vorlesungen  über  das  Ikosaöder  begonnen
hatte,  durch  Fricke  gefunden  hat,  nämlich  cine  zusammenhängende
Darlegung  der  Theoric  eindeutiger  Funktionen  mit  lincaren  Transformationen
  in  sich  (elliptische  Modulfunktionen,  automorphe  Funktionen.
Auch  die  autographierten  Vorlesungen  über  verschiedene  Gebiete
der  Mathematik,  welche  Referent  in  den  Jahren  1891—97  veröffentlichte,
  dürfen  in  diesen  Zusammenhange  genannt  werden.  Wir  crwähnen
  ferner  die  größeren  Referate  über  einzelne  Kapitel  der  reinen
Mathematik,  welche  die  seit  1890  bestehende  deutsche  Mathennatikervereinigung
  in  ihren  Jahresberichten  bisher  gebracht  hat;  beispielsweise
  fanden  Invariantentheorie,  Algebraische  Zahlkörper,  Algebraische
Funktionen  einer  Variabelen,  Geschichte  der  synthetischen  Geometrie
und  Cantorsche  Mengenlehre  durch  Franz  Meyer,  Hilbert,  Brill
und  Nöther,  E.  Kötter  und  Schönflies  ihre  Bearbeitung.  Dabei
handelt  cs  sich  durchweg  nicht  nur  un  eine  äußere  Zusammenstellung
bekannter  Resultate,  sondern  ebensosehr  um  cin  Incinanderarbeiten
früher  getrennter  Gedankengänge;  der  Nichtmathematiker  wird  nur
unvollkommen  ermessen,  wie  schwierig  cine  solche  Arbeit  auf  dem
Gebicte  der  Mathematik  gegebenenfalls  sein  kann  und  wie  sehr  auch
bei  ihr  produktive  Tätigkeit  verlangt  wird.  Beispielsweise  enthält  insbesondere
  der  Hilbertsche  Bericht  im  einzelnen  sehr  viel  Neues.

Es  erscheint  zweckmäßig,  gleich  auch  auf  die  größeren  Sammelarbeiten
  über  angewandte  Mathematik  hinzuweisen,  welche  die
deutsche  Mathematikervereinigung  bislang  veranlaßt  hat.  Wir  gedenken
  in  erster  Linie  der  umfassenden  Münchener  Ausstellung
mathematischer  Instrumente  und  Modelle,  welche  Dyck  im  Auftrage
der  Vereinigung  1893  zustande  brachte*)  und  ihres  ebenfalls  von
Dyck  gearbeiteten  interessanten  Katalogs.  Wir  nennen  ferner  an
Referaten:  Finsterwalder,  Photogrammometrie;  Czuber,  Wahrscheinlichkeitsrechnung
  (wo  auch  die  Fragen  der  mathematischen
Statistik  besprochen  werden);  Heun,  die  kinetischen  Probleme  der
wissenschaftlichen  Technik  (ein  erster  Versuch,  diesen  vielseitigen
Stoff  nach  mathematischen  Gesichtspunkten  zu  ordnen);  endlich
Burckhardt,  Entwicklung  nach  oszillierenden  Funktionen  (noch  im
Erscheinen  begriffen;  eine  besonders  umfassende  Arbeit,  welche  zahlreiche
  wertvolle  Untersuchungen  aus  der  Entstehungsperiode  der

*)  Eine  nicht  ganz  so  umfangreiche,  aber  immerhin  sehr  vielseitige  Ausstellun.s
mathematischer  Instrumente  und  Modelle  bildete  in  Chicago  einen  wesentlichen  Teil  deı
deutschen  Unterrichtsausstellung;  auch  diese  war  von  Dyck  besorgt  worden.