Philosophische  Fakultät:  Mathematik,  Physik,  Astronomie.  263

und  Auslandes*)  (wie  denn  eine  französische  Ausgabe  bereits  in  Vorbereitung
  ist).  Die  verschiedenen  Gebiete  der  Mathematik  werden
dabei  in  der  Weise  monographisch  bearbeitet,  daß  überall  die  Hauptmomente
  der  Entwicklung  und  die  wichtigsten  bislang  erzielten  Resultate
  unter  Zufügung  umfassender  L.teraturnachweise  referierend
zusammengestellt  werden.

Fs  wäre  verfrüht,  hier  über  die  Bedeutung  des  Enzyklopädicunternchmens
  ein  Urteil  abgeben  zu  wollen.  Wenn  cs  zweifellos  den
Höhepunkt  der  hier  zu  besprechenden  Entwicklung  vorstellt,  so  steht
es  doch  keineswegs  allein,  sondern  wird  von  einer  Reihe  sozusagen
paralleler  Bestrebungen  begleitet.  Der  Sinn  für  Geschichte  der
Mathematik  ist  wieder  erwacht  und  findet  mannigfache  Betätigung;
wir  nennen  nur  Moritz  Cantors  Fundamentalwerk,  dessen  erster
Band  zuerst  1880  erschien  und  von  dem  jetzt  bereits  die  zweite  Auflage
  abgeschlossen  vorliegt.  Gesammelte  Abhandlungen  und
Vorlesungen  hervorragender  Gelehrter  sind  jetzt  in  großer  Zahl
herausgegeben  (so  von  Weierstraß,  von  Kronecker  usw.,  auch  zu
den  Werken  von  Gauß  und  Riemann  sind  wesentliche  Ergänzungen
erschienen).  Die  Bibliographie  der  Mathematik  wird  von  verschiedenen
  Seiten  in  früher  nicht  gekannter  Vollständigkeit  bearbeitet.
Das  Interesse  an  philosophischer  Fragestellung  kommt  wieder
mehr  in  den  Vordergrund  (was  insofern  mit  dem  Unternehmen  der
Enzyklopädie  harmoniert,  als  doch  auch  dieses  in  letzter  Linie  nicht
eine  bloße  Anhäufung  von  Material,  sondern  cine  Vercinheitlichung
der  Auffassung  anstrebt);  insbesondere  findet  die  logische  Seite  (die
Zurückführung  der  einzelnen  mathematischen  Disziplinen  auf  bestimmte
Axionie)  zahlreiche  Vertreter.  Noch  nie  sind  so  viele  l.ehrbücher
auch  über  speziclle  Teile  der  Mathematik  seitens  des  deutschen
Verlags  publiziert  worden,  wie  in  den  letzten  Jahren.  Die  bestehenden
  deutschen  Zeitschriften  haben  sich  spezialisiert  und  werden
dadurch  den  verschiedenen  Interessen  des  mathematischen  Publikums
in  höherem  Grade  als  bisher  gerecht.  Zu  ihnen  ist  als  neues
Unternehmen  eine  Herausgabe  der  Jahresberichte  der  deutschen
Mathematikervereinigung  in  Monatsheften  getreten,  welche  die
Leser  über  die  aktuellen  Tragen  der  Wissenschaft  auf  dem  Laufenden
erhält.  Über  die  Gesamtproduktion  des  Inlandes  und  des  Auslandes

*)  Bis  jetzt  sind  65  Artikel  mit  rund  220  Bogen  erschienen.  Wir  finden  unter
den  Autoren  zwei  Amerikaner,  nämlich  Böcher  und  Osgood  aus  Cambridge.  Unter
den  deutschen  Mitarbeitern  mögen  insbesondere  Pringsheim  und  Voß  genannt
werden.