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geben  die  Fortschritte  der  Mathematik  nun  schon  seit  35  Jahren
alljährlich  Bericht.  An  die  internationalen  Mathematikerkongresse
  von  Zürich  1897  und  Paris  1900  wird  sich  1904  ein  solcher
in  Heidelberg  schließen,  veranstaltet  von  der  deutschen  Mathematikervereinigung.


Zusamnienfassend  dürfen  wir  sagen,  daß  die  Gefahr,  die  vor
35  Jahren  nicht  ausgeschlossen  schien,  daß  nämlich  die  Mathematik
in  eine  Reihe  getrennter  Disziplinen  zerfallen  möchte,  für  Deutschland
  endgültig  beseitigt  ist.  Daß  die  reine  Mathematik,  unbeschadet
ihrer  selbständigen  Entwicklung,  in  ihrem  eigenen  Interesse  mit  der
angewandten  Mathematik  in  allseitiger  Bezichung  gehalten  werden
muß,  ist  vielleicht  noch  nicht  in  demselben  Maße  zur  allgemeinen
Überzeugung  geworden;  man  hört  in  der  Tat  immer  noch  gelegentlich
die  entgegengesetzte  Meinung  vertreten,  daß  nämlich  die  moderne
Entwicklung  der  reinen  Mathematik  von  den  Anwendungen  direkt
wegführe  und  in  dieser  Richtung  nicht  aufgehalten  werden  dürfe.

3.  Wir  berichten  nunmehr  von  der  neuen  Wendung,  welche  im
Zusammenhang  mit  den  vordringenden  enzyklopädischen  Interessen
auf  dem  Gebiet  des  mathematischen  Universitätsunterrichtes
Platz  gegriffen  hat.  Es  war  z.  Z.  cine  außerordentliche  pädagogische
l.eistung  des  jugendlichen  Jacobi  gewesen,  daß  er  unternahm,  durch
seine  Vorlesungen  die  Zuhörer  zur  Mitarbeit  an  der  eigenen  wissenschaftlichen
  Produktion  heranzuziehen  (Königsberg,  1827/42).  Aber
jedes  noch  so  hohe  Prinzip  führt  übertrieben  zu  Absurditäten.  Jedenfalls
  ist,  in  Nachwirkung  des  Jacobischen  Beispiels,  der  höhere
mathematische  Unterricht  vielfach  einer  unverkennbaren  Vereinseitigung
anheimgefaällen.  Hiergegen  hat  nunmehr  eine  Reaktion  eingesetzt,
die  wieder  mehr  berücksichtigt,  daß  die  Mehrzahl  der  Studierenden
in  erster  Linie  für  die  spätere  Ausübung  eines  bestimmten  Berufes
tüchtig  gemacht  werden  soll.  Hoffen  wir,  daß  diese  Bewegung  nun
nicht  ihrerseits  wieder  zu  einem  ungesunden  Extreme  führt!
Im  Mittelpunkte  der  Bewegung  steht  auch  hier  die  Wiederbelebung
des  Interesses  für  angewandte  Alathematik,  insbesondere,  den
Zeitverhältnissen  entsprechend,  für  die  mathematischen  Aufgaben  der
Technik.  Das  entscheidende  Hreignis  ist,  daß  die  preußische
Regierung  in  die  1898  erschienene  neue  Prüfungsordnung  für  Lehramtskandidaten
  eine  besondere  Lehrbefähigung  für  angewandte
Mathematik  eingesetzt  hat,  welche  durch  Anforderungen  in  darstellender
  Geometrie,  technischer  Mechanik,  Geodäsie  und  Wahrscheinlichkeitsrechnung
  definiert  wird.  In  derselben  Richtung  liegt  natür-