Philosophische  Fakultät:  Muthematik,  P’hysik,  Astronomie.  205

lich  die  Herstellung  näherer  Beziehungen  zwischen  den  mathematischen
  und  physikalischen  oder  astronomischen  Vorlesungen  und
der  schon  erwähnte  Wunsch  nach  besonderen  Vorlesungen  auch
über  angewandte  Physik.  Über  den  Stand,  den  die  Bewegung  an
verschiedenen  Universitäten  erreicht  hat,  und  über  die  Art,  wie  sie
sich  mit  dem  mehr  spezialisierten  Unterrichtsbetriebe  ausceinandersctzt,
läßt  sıch  allgemeines  kaum  sagen,  weil  zu  viele  individuclle  Verschiedenheiten,
  namentlich  auch  zwischen  Nord  und  Süd,  vorliegen.
Als  ein  besonders  entwickeltes  Beispiel  wählen  wir  die  Universität
Göttingen,  bei  der  die  Direktoren  des  mathematisch-physikalischen
Seminars  neuerdings  ausführliche  „Ratschläge  und  Erläuterungen‘  für
die  Studierenden  der  Mathematik  und  Physik  ausgegeben  haben,  aus
denen  man  ein  klares  Bild  von  den  zur  Zeit  dort  herrschenden  Verhältnissen
  erhält.  Neben  die  Vorlesungen  und  Übungen  über  reine
Mathematik  und  reine  Physik  sind  als  eine  dritte  gleichberechtigte
Abteilung  diejenigen  über  „Angewandte  Mathematik  und  Physik“
gesetzt,  welche  außer  den  in  der  Prüfungsordnung  genannten  Fächern
noch  angewandte  Thermodynamik,  angewandte  Elcktrizitätsichre,
sowie  die  gesanite  Geophysik  und  Astronomie  umfassen.  (Außerden
wird  über  Versicherungsmathematik  gelesen.)  Überall  ist  zwischen
Anfangsvorlesungen,  Kursusvorlesungen  und  Spezialvorlesungen  (beziehungsweise
  -Übungen)  unterschieden.  Nur  einige  Elementarkenntnisse
  müssen  von  sämtlichen  Studierenden  nachgewiesen  werden,
darüber  hinaus  bleibt  die  Wahl  und  Ordnung  der  Studien  der  besonderen
  Interessenrichtung  des  einzelnen  überlassen.  Dies  die  großen
Unrisse  des  Göttinger  Systens,  dessen  spezielle  Durchführung  freilich
nur  durch  den  Umstand  ermöglicht  erscheint,  daß  in  Göttingen  gerade
für  Mathematik  und  Physik  eine  besonders  große  Anzahl  von  Dozenten
und  von  mannigfachen  Institutseinrichtungen  zur  Stelle  sind.

4.  Nach  dieser  Digression  über  die  Unterrichtsverhältnisse  kehren
wir  noch  einmal  zur  Frage  nach  der  freien  Entwicklung  der  Wissenschaft
  zurück.  Wir  haben  den  vorwältenden  enzyklopädischen
Tendenzen  billigerweise  den  Hauptteil  unserer  Berichterstattung  über
die  letzten  zehn  Jahre  der  deutschen  Mathematik  zugewiesen.  Inzwischen
  betrachten  wir  dieselben  nur  als  einen  Durchgangspunkt.
In  der  Tat  treten  spezifische  Ansätze  zu  Neuem  bereits  nach  verschiedenen
  Richtungen  hervor.  Auch  für  den  Fernerstehenden  erkennbar
ist  dies  auf  den  Gebiete  der  Geometrie,  wo  u.  a.  linsterwalders
Beiträge  zur  Lehre  von  den  Flächendeformationen,  Minkowskis
Theoreme  über  allgemeinste  konvexe  Flächen,  Studys  systematisierende