XD.  Chemie.

Die  Pilege  der  Chemie  an  den  deutschen  Universitäten  ist  im
allgemeinen  gleichmäßig  organisiert.  Nur  bei  einzelnen,  wie  in  Göttingen,
  sind  in  neuerer  Zeit  besondere  Kinrichtungen  getroffen
worden.

Der  Unterricht  in  der  reinen  Chemie  erfolgt  in  einem*),  mit
allen  notwendigen  Einrichtungen  verschenen,  unter  der  Leitung  eines
Direktors  stehenden  Institut  und  gliedert  sich  in  einen  praktischen
und  in  einen  theoretischen.

Um  mit  dem  praktischen  Unterricht  zu  beginnen,  so  wirıd
derselbe  m  verschiedenen,  gewöhnlich  räumlich  getrennten  Abteilungen
  erteilt,  deren  jede  vorzugsweise  für  bestimmte  Arbeiten
(analytischer,  präparativer,  organischer,  physikalischer  usw.  Art)  eingerichtet
  und  der  besonderen  Leitung  eines  oder  mehrerer  Assistenten
  unterstellt  ist.  Auf  den  preußischen  Universitäten  ist  dem
Institutsdirektor  neuerdings  cin  sogrenannter  „Abteilungsvorstcher“
zur  Seite  gestellt,  der  —  je  nach  den  lokalen  Verhältnissen  —  eines
der  speziellen  chemischen  Fächer  (unorganische,  organische,  physikalische
  Chemie)  vorzugsweise  pflegt  und  zum  Teil  auch  die  in  den
größeren  Instituten  nicht  ganz  unerheblichen  Verwaltungsgeschäfte
mitbesorgt.  Denn  nur  wenige  Institutsdircktoren  sind  in  der  Lage,
für  diese  Geschäfte  einen  Subalternbeamten  zur  Verfügung  zu  haben.

Neben  den  schon  genannten  Räumen,  welche  für  die  speziellen
chemischen  Übungen  bestimmt  sind,  pflegt  da,  wo  es  kein  besonderes
Institut  für  Pharmazie  gibt,  das  chemische  Institut  auch  cine  besondere
  Abteilung  für  den  chemischen  Unterricht  der  Phharmazeuten
zu  besitzen.

Außerdem  werden  im  allgemeinen  chemischen  J.aboratorium
jetzt  überall  Spezialkurse  für  die  Studierenden  der  Medizin  abgehalten.


*)  Nur  an  den  beiden  größten  Universitäten,  Berlin  und  Leipzig,  bestehen  je  zwei
Institute,  die  als  Parallelinstitute  aufgefaßt  werden  können.