268  Leehrgebiet  und  Lehrbetrieh.

Die  frühere  Hinrichtung,  daß  an  jedem  chemischen  L.aboratorium
  ein  oder  mehrere  ctatsmäßige  außerordentliche  Professoren
angestellt  waren,  ist  zu  gunsten  der  Einrichtung  der  Abteilungsvorsteher
  (aber  viclleicht  nicht  zu  gunsten  der  Entwicklung  cines
guten  Nachwuchses  für  die  Besetzung  von  Direktorstellen)  in  Preußen
fast  durchgehends  in  Fortfall  gekommen,  besteht  aber  noch  auf  den
nichtpreußischen  Universitäten.

Neben  dem  allgemeinen  chemischen  Laboratorium  besitzen
einige  Universitäten  auch  besondere  Spezialinstitutc  für  bestimmte
Zweige  der  Chemie.  Und  zwar  für  pharmazeutische  Chemic
(z.  B.  in  Berlin,  Breslau,  Erlangen,  Königsberg,  l.eipzig,  Marburg,
München),  für  Agrikulturchemie  (z.  B.  in  Berlin,  Bonn,  Halle,
Königsberg,  Göttingen),  für  physikalische  und  Elektro-Chemie
(in  Göttingen,  Gießen,  Leipzig).  Y.undlich  ist  cin  besonderes  Institut
für  spezielle  unorganische  Chemie  neuerdings  in  Göttingen  crrichtet
  worden.  Ein  besonderes  Institut  für  chemische  Technologie
  besitzt  nur  die  Universität  Berlin.

Der  theoretisch-chemische  Unterricht  konzentriert  sich
an  den  meisten  Universitäten  gleichfalls  in  dem  allgemeinen  chcmischen
  Laboratorium,  dessen  Dircktor  die  beiden  Hauptteile  der
Chemie,  den  unorganischen  und  den  organischen,  in  einem  Jahreskurs
  (von  5—6  Stunden  im  Semester)  zu  behandeln  pflegt.  Da  die
Schulen  ihre  Abiturienten  vorzugsweise  zu  Ostern  entlassen,  so  haben
die  Vertreter  der  allgemeinen  Chemie  die  Hauptvorlesung  für  Anfänger
  (unorganische  Chemie)  vielfach  auf  das  Sommersenester  gelegt,
  damit  den  von  der  Schule  kommenden  Studierenden  der  Chemie
sofort  Gelegenheit  geboten  wird,  die  grundlegenden  Vorlesungen  zu
hören.  An  einigen  Stellen  wird  aber  daran  festgehalten,  für  die
erste  Hauptvorlesung  das  längere  Wintersemester  zu  reservieren.

Spezielle  Vorlesungen  aus  dem  Gebiet  der  analytischen,  unorganischen,
  organischen,  physikalischen  und  technischen
Chemie  werden  in  der  Regel  von  Dozenten  gehalten,  welche  auch
beim  praktischen  chemischen  Unterricht  beteiligt  sind,  wo  cigene
l.aboratorien  für  diese  Spezialficher  vorhanden  sind,  von  den  Leitern
dieser  Institute  und  deren  Aggregterten.

Bezüglich  der  Studieneinteilung  und  der  Zeit,  welche  sie
auf  das  Studium  der  einzelnen  Zweige  der  Chemie  verwenden  wollen,
überläßt  man  den  Studierenden  volle  Bestimmungsfreiheit.  Die  T.aboratoriumsvorstände
  der  deutschen  Hochschulen  sind  aber  vor  einigen
Jahren  zu  einem  Verbande  zusamniengetreten,  welcher  für  die  Studic-