Philosophische  Fakultät:  Mineralogie.  Geologie.  Paläontologie.  275

Erst  viel  später  sind  die  bahnbrechenden  Bestrebungen  dieser
Männer  dem  Universitätsunterricht  dadurch  zugute  gekommen,  dafs
ihre  Sammlungen  die  Kristallisationspunkte  der  Museen  bezw.
Institutssammlungen  bildeten;  so  kamen  die  Schlotheimsche,  Buchsche
und  Münstersche  Sammlung  (zum  kleinen  Teil)  nach  Berlin,  während
der  größere  Teil  der  letzteren  nach  München  gelangte.

Der  außerordentlich  mannigfaltige  Ursprung  der  geologischmineralogischen
  Unterrichtsmittel,  die  verschiedenartigen  Anregungen,
die  auf  Bestrebungen  des  Bergbaus  und  der  Bergakademien,  auf  die
Sammlungen  unabhängiger  Liebhaber  und  die  allmählich  vorschreitende
Ausdehnung  der  Universitäts-Lehrkanzeln  zurückgehen,  ist  der  heutigen
Blüte  des  Unterrichtes  zugute  gekommen.

Bei  den  im  Anfang  des  vorigen  Jahrhunderts  errichteten  Universitäten
  Berlin*)  und  Breslau  —  beide  1811  —  die  somit  den  damals
  vorgeschrittensten  Standpunkt  darstellten,  waren  Chemie  mit
Mineralogie  und  Geologie  im  I.chrauftrage  vereinigt.  Dieselbe  Entwicklung
  sehen  wir  in  Bayern,  wo  an  der  damaligen  Universität
I.andshut  (1807,  später  in  München)  die  3  genannten  Wissenschaften
zusammen  einen  Vertreter  **)  hatten.

Fine  etwas  weiter  gehende  Trennung  sehen  wir  in  Bonn  (gegründet
  1818),  wo  gleichzeitig  eine  Professur  für  Mineralogie  und
Geologie***)  und  eine  zweite  für  Zoologie  und  Mineralogief)  errichtet
wurde.

Eine  ähnliche  Trennung  zeigte  u.  a.  Göttingen.  ff)

*)  Nach  Chr.  Samuel  Weiß  war  Gustav  Rose  seit  1826  außerordentlicher,  seit  1839
ordentlicher  Professor  der  Mineralogie.

**)  Joh.  Nep.  Fuchs  1807—1823  in  Iandshut,  1823—  1856  in  München;  erst  sein
Nachfolger  Kobell  erhielt  den  Il.chrauftrag  für  Mineralogie  allein.  Ungefähr  gleichzeitig
(1861  )  erhielt  Oppel  1831-1865  I.ehrauftrag  für  Paläontologie  und  Geologie  und  die
Stelle  als  Konservator  der  paläontologischen  Staatssammlungen.

***)  Ihr  Vertreter  war  Nöggerath  +  1878;  doch  erhielt  schon  1863  Gerhard  vom
Rath  (1830—  1888)  einen  l.chrauftrag  für  Mineralogie  und  Geologie,  der  seinerseits  1880
die  Leitung  des  nmineralogischen  Instituts  an  A.  v.  Jassaulx  abgab.  In  das  Jahr  1882
fallt  die  Errichtung  eines  Ordinariats  für  Palüontologie  und  stratigraphische  Geologie
(Clemens  Schlüter).

+)  Ihr  Vertreter  Goldfuß,  der  Verfasser  der  Petrefacta  Germaniae,  vorher  seit  1804
in  ühnlicher  Stellung  in  Erlangen,  von  1818—1848  in  Bonn;  betonte  vor  allem  die  puläontologische
  Seite  seiner  Aufgabe  une  ist  der  Begründer  der  beschreibenden  Versteinerungskunde
  der  Wirbellosen.

42)  Der  Zoologe  Blumenbach  trat  schon  1803  und  1816  mit  berühmt  gewordenen
Abhandlungen  über  fossile  Wirbeltiere  hervor,  während  der  Iekannte  Vulkanolog  Sartorius
von  Waltershausen  Mineralogie  und  Geologie  vertrat.

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